Prediction Markets - Prognosemärkte wie Augur erklärt - Blockchaincenter.net
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Franziska

Prediction Market

Prognosemärkte in aller Kürze

  • Auf einem Prediction Market (deutsch Prognosemarkt) wetten Teilnehmer auf das Eintreffen eines Ereignisses.
  • Der Gewinn ist abhängig vom aktuellen Kurs der jeweiligen Wette.
  • In der Theorie nähert sich dieser Kurs der Wahrscheinlichkeit für das tatsächliche Eintreffen des Ereignisses an. Somit lassen sich Prognosen erstellen.
  • Der Betrieb von Prognosemärkten war rechtlich bislang stark eingeschränkt. Zitierte Gründe dafür waren die Einordnung als Glückspiel und das Risiko von Insidertrading.
  • Blockchain-Projekte wie Augur (teilweise auch Gnosis) versuchen daher, Prognosemärkte zu etablieren, die ohne Mittelsmänner und ohne Möglichkeit der Zensur und Abschaltung funktionieren.

Was ist ein Prognosemarkt?

Um dezentralisierte Prognosemärkte zu verstehen, ist es zunächst notwendig, das Konzept bisheriger Prognosemärkte zu erläutern. Ein Prognosemarkt ist eine Plattform, über die Ergebnisse von Ereignissen prognostiziert werden. Das kann zum Beispiel der Ausgang einer Präsdentschaftswahl oder die Ausbreitung einer Seuche sein.

Teilnehmer wickeln die Prognosen in Form von Handel ab. Es gibt einen "Käufer", einen "Verkäufer" und einen Mittelsmann. Der Vermittler ist bei Prognosemärkten der Betreiber der Plattform. Im Grunde genommen sind alle Handel auf der Plattform binäre Optionen: Die Transaktion basiert darauf, dass etwas eintritt oder nicht. Alternativ lassen sich Prognosen wie Terminkontrakte betrachten. Denn Käufer und Verkäufer werden sich einig, dass sie in der Zukunft einen Handel abschließen wollen. Der Vertrag, das heißt der Kontrakt, hält diese Absicht gegenwärtig fest.

Die meisten Prognosemärkte verwenden, anders als beispielsweise Wertpapierbörsen, kein Fiat-Geld. Stattdessen setzen die User virtuelles Geld ein. Das ist einer der Gründe, warum Prognosemärkte nicht den striktesten Regularien der Finanzaufsichtsbehörden unterliegen. Andererseits begründet sich die Einordnung dadurch, dass relativ akkurate Vorhersagen getroffen werden können. Je mehr Menschen eine Vorhersage treffen, desto genauer wird sie. Bei einem Münzwurf ist das hingegen anders. Daher fallen die Plattformen nicht in die Kategorie "Glücksspiel", sondern sind vom Typus "Geschicklichkeitsspiel".

Auch wenn unter anderem Wettbörsen zu Prognosemärkten zählen, fokussiert sich der Großteil der Plattformen auf Wertpapiere. Die Portale verfügen aber über eigene Handelsmechanismen und Ersatzwerte wie Tokens oder Anteile. Alle Transaktionen finden also unabhängig von der realen Börse statt. Einzig das Ergebnis wird von dort abgelesen. Auf Prognosemärkten wetten Teilnehmer gegen andere Teilnehmer. Wenn ein Nutzer billig ankauft und teuer verkauft, verbessert er damit die Prognose. Folgerichtig gilt: Je besser ein Nutzer schätzt, desto höher ist die Belohnung durch eine Wertsteigerung seiner virtuellen Anteile. Die Märkte basieren somit auf Gamification- und Community-Prinzipien.

Spricht man von einem Eventkontrakt, bezieht sich der abgeschlossene Vetrag auf ein echtes Ereignis wie ein Fußballspiel. Bei einem kategorischen Ereignis erwarten die Teilnehmer ein klar definiertes Ergebnis. So gewinnt zum Beispiel nur eines von zwei Teams die Partie. Ist das Event hingegen ein Skalarereignis, bewegt sich das Resultat in einem gewissen Bereich. Auf den Vergleich bezogen gewinnt Team 1 mit 2: 1 bis 5:1.

Einsatz finden Prognosemärkte vor allem bei der Vorhersage von Börsenbewegungen, in der Gesundheitswirtschaft, der Sicherheit (Prognose von Terroranschlägen) und in der Marktforschung. Ihr großer Vorteil ist, dass sie wesentlich höhere Aussagekraft als Umfragen haben. Ein gutes Beispiel für einen Prognosemarkt abseits des Themas Wertpapiere ist das FAZ.NET-Orakel.

Dezentrale Prognosemärkte

Prognosemärkte, die Blockchain-Technologie einsetzen, haben die gleiche Zielsetzung wie "normale" Prognosemärkte. Sie unterscheiden sich aber in einigen Punkten.

Die virtuelle Währung, die zum Einsatz kommt, ist entweder eine Kryptowährung oder ein darauf basierender Token. Weil alle Entscheidungen dezentral gespeichert werden, fallen Mittelsmänner komplett weg. Dadurch sinken die Gebühren für Transaktionen oder es entstehen erst gar keine.

Wie bei allen Vorgängen, die zwischen zwei Parteien abgewickelt werden, kann es zu Konflikten kommen. Bei DLT-Prognosemärkten braucht es daher dezentrale Schiedsprozesse. Anstatt einer vermittelnden Plattform-Authorität, die im Konfliktfall entscheidet, stimmen die Teilnehmer über Konflikte ab.

Ausschüttung der Ergebnisse

Die Tokens, die auf einer dezentralen Plattform oder Anwendung zum Einsatz kommen, heißen Collateral Tokens. Erweist sich die Prognose eines Teilnehmers als akkurat (beziehungsweise als Resultat mit hoher Wahrscheinlichkeit), erhält er sogenannte Outcome Tokens als Belohnung.

Vorteile von dezentralisierten Prognosemärkten

Prognosemärkte haben die Eigenschaft, viele Daten, Fakten und Zahlen einzubeziehen. Das Prinzip basiert seit jeher auf dem Crowd-Ansatz: Informationen fließen schnell von einer großen Menge von Nutzern ein. Sie werden verarbeitet und schaffen so Stück für Stück höhere Genauigkeit. Weil sich Prognosemärkte als extrem genaue Orakel erwiesen haben, setzen sie sogar Regierungen anstatt alternativer Verfahren wie Umfragen ein.

Teilnehmer dezentraler Prognosemärkte profitieren darüber hinaus von allen Vorteilen von Blockchain-Anwendungen: Es gibt keine Authorität, die Preise bestimmt, Informationen zwecks Manipulation vorenthält oder Geld für Dienstleistungen haben möchte. Der Markt wird von den Akteuren in und mit dem Ökosystem gestaltet.

Außerden muss ein Schiedsrichter bei Wegfall nicht ersetzt werden. Die Schiedsentscheidungen kommen aus der Community. Gebühren bleiben niedrig oder fallen ganz weg.

Nachteile von dezentralisierten Prognosemärkten

Kein System ist ohne Schwächen. So sind auch Prognosemärkte Manipulationen wie Insiderhandel oder systematischer Meinungsbeeinflussung unterworfen. Durch die "Streuung" auf eine Crowd lassen sich solche Vorgänge aber meist nicht lange aufrecht erhalten.

Das gilt allerdings nur, solange die Teilnehmer rationales Verhalten zeigen. Der menschliche Faktor darf nicht außer Acht gelassen werden. Emotionen oder Falschinformationen können auch eine Masse an Stimmen zum Umdenken bewegen. Zudem findet oft keine inhaltliche Qualitätskontrolle statt. Wetten auf Terroranschläge oder Todesfälle könnten Akteure zu kriminellen Handlungen verleiten.

Schlussendlich sind Systeme mit dezentralen Schiedsentscheidungen schwer skalierbar. Es braucht Regeln und Anreize wie beim Proof-of-Stake-Ansatz, um Konfliktfälle kontinuierlich abarbeiten zu können.

Beispiele für dezentrale Prognosemärkte

  • Augur ist einer der vielversprechendsten dezentralen Prognosemärkte. Die Plattform, die auf der Ethereum-Blockchain basiert, ermöglicht Usern die Teilnahme auf zwei Wegen. Zum einen können sie selbst Prognosen einstellen und sich an ihnen beteiligen. Zum anderen können sie Prognosen "reporten" und somit zur besseren Genauigkeit beitragen (und dabei verdienen). Augur soll im Juli 2018 starten.
  • Gnosis ist die verspieltere Variante eines Prognosemarktes. Nutzer erhalten zu Beginn ein Startkapital an Tokens. Je erfolgreicher sie in der Vorhersage von Prognosen sind, desto höher wird ihr Anteil. Auch Gnosis nutzt die Ethereum-Blockchain.
  • Stox orientiert sich mehr am Mainstream, malt aber nichtsdestotrotz verschiedenste Anwendungsszenarien aus. Die Plattform erlaubt Initiativen außerdem, Vorhersagen auf ihre ICOs zu sponsorn.

Beispiel für eine Wette auf Augur:

An diesem Beispiel lässt sich leicht verdeutlichen, wie Prognosemärkte funktionieren. Aktuell steht der Kurs bei 50 Prozent. In diesem Fall hat noch kein Teilnehmer gewettet. Hat aber beispielsweise ein Mitarbeiter von Coinbase Insiderwissen zu dieser Wette, bekommt er zum aktuellen Kurs einen finanziellen Anreiz, so viel wie möglich zu wetten. Die Folge ist, dass der Kurs so lange sinkt. Irgendwann gibt es niemanden mehr, der dagegen wettet, oder es lohnt sich für den Insider nicht länger. Der Kurs entspricht dann der Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen des Ereignisses.

Disclaimer: Der Handel mit Kryptowährungen birgt ein hohes Risiko und kann bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Keine der hier aufgeführten Informationen sind als Anlageberatatung zu verstehen. Alle genannten Kurse sind ohne Gewähr. Bitte beachten Sie dazu auch den den Haftungsausschluss im Impressum.
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