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 2 unserer achtteiligen Ratgeberreihe für den Einstieg in Kryptowährungen hilft bei der Entscheidung, ob es sinnvoll ist, Geld in Kryptowährungen anzulegen.

Teil 2: Sollte ich in Kryptowährungen investieren?

Bitcoin & Co. werden oft verteufelt

Als gegen Ende 2017 der Bitcoin-Kurs seinen bislang größten Aufstieg erlebte, entsponn sich eine Goldgräberstimmung. Jahrelang hatten konservative Experten und Medien vor dem Investment in Kryptowährungen gewarnt. Ein Totalverlust sei möglich, war das am häufigsten aufgeführte Argument. Weitere Kritik ging an die Unvorhersehbarkeit der Kurse, das noch junge Alter der neuen Devisen und die Betrugsfälle und Nutzung im “Dark Web”. Tatsächlich wurde und wird Bitcoin auch für kriminelle Absichten genutzt. Das Gleiche lässt sich aber auch über Bargeld sagen. Alles in allem war die öffentliche Meinung über Bitcoin & Co. schlecht.

Auf der anderen Seite gab es eine über die Jahre gewachsene Community von enthusiastischen Bitcoin-Verfechtern, die nicht weniger als eine Revolution der Finanzmärkte und eine Abkehr von regierungsgestütztem “Fiat”-Geld wie dem Euro propagierten. Auf der einen Seite erscheinen die Coins als unsichere und kaum durchschaubare Anlage. Auf der anderen Seite verspricht die Investition beim richtigen Riecher hohe Renditen. Diese „High Risk, High Reward“-Situation hat dazu geführt, dass sich bisher vor allem Risikofreudige in der Krypto-Community tummeln. Viele weniger idealistische Anleger stellen sich nun – nicht zuletzt durch diesen rasanten Anstieg – die Frage, ob es nicht vielleicht Sinn ergibt, einen kleinen Teil des eigenen Portfolios in diese neue Anlageklasse zu investieren.

Vergleich Kryptowährungen – klassische Finanzprodukte

Wie bei jeder Anlage lohnt es sich, das einzelne Finanzprodukt in einem größeren Kontext zu setzen. Wer versteht, wie Investments in Kryptowährungen funktionieren und wie sie im Vergleich zu anderen Produkten abschneiden, kann eine informierte Entscheidung treffen. Anders als „klassische“ Anlageformate wie Aktien, Fonds und Spareinlagen sind die Investitionen in Kryptowährungen kaum reguliert. Einfacher gesagt bedeutet das, dass Gesetzgeber und Fiskus noch nicht so viele Spielregeln vorgeben. Des weiteren ist klar, dass niemand sagen kann, wie sich die Anlageklasse in der Zukunft entwickelt. Während es zum Beispiel nach Gold seit Jahrtausenden eine Nachfrage gibt, die wohl auch in 50 Jahren noch existieren wird, ist es bei Kryptowährungen bereits schwierig, ein Jahr in die Zukunft zu schauen. Diese Ungewissheit birgt Risiken wie Chancen. Im Vergleich mit anderen Anlageklassen haben wir folgende Kriterien herangezogen: 

Bitcoin und die ewige Blase

Bitcoin kann inzwischen auf eine 10 Jahre lange Historie zurückblicken. In dieser Zeit ist der Kurs von wenigen Cent auf inzwischen 4.931,65 Euro angestiegen. Damit liegt die Vermutung nahe, dass sich Bitcoin in einer Spekulationsblase befindet. Sind Kryptowährungen gar nur ein kurzweiliger Trend, der wenige reich macht und die Masse mit großen Verlusten zurücklässt?

Fakt ist: Bitcoin & Co. sind immer noch ein Experiment, das es so noch nie gegeben hat. Keiner kann sagen, wie es ausgehen wird. Bislang gab es tatsächlich eine Hand voll Spekulationsblasen mit starken Kurszuwächsen, gefolgt von starken Einbrüchen. Diese letzte Blase platze Ende 2017. Der Kurs verlor in den folgenden Monaten mehr als 50 Prozent. Fakt ist aber auch: Nach jeder Blase hat sich der Kurs bislang auf einem stärkeren Niveau als zuvor gehalten. So gibt es bislang niemanden, der seine Bitcoins für mehr als zwei Jahre gehalten hat und in der Verlustzone ist. Das Interesse an Kryptowährungen und Blockchain-Anwendungen steigt seit Jahren stetig, die Berichterstattung in den Medien hat sich komplett geändert. Während in der Anfangszeit quasi ausschließlich skeptisch bis schlecht über Bitcoin berichtet wurde, verstehen mehr und mehr Menschen nun, warum es eine Alternative zum staatlichen Geld sein könnte. Die Öffentlichkeit beginnt, Bitcoin langsam ernst zu nehmen. Kryptowährungen werden so schnell nicht mehr von der Bildfläche verschwinden. Das Risiko sinkt, damit allerdings auch die Renditechance.

Persönliches Risiko einschätzen

Auch und gerade für Kryptowährungen braucht es einen längeren Atem. Wer in Aktien oder Fonds investiert, plant mindestens für einen Zeitraum von fünf Jahren. Experten raten sogar zu einem Anlagehorizont von bis zu 15 Jahren. Trades, die auf kurzfristige Gewinne angelegt sind, sind der Spekulation zuzuordnen. Das gleiche gilt für Kryptowährungen. Häufiges Handeln von Kryptowährungen kann genauso wie Daytrading auf dem Aktienmarkt lukrativ sein, ist aber eher nichts für Otto-Normal-Anleger. Der Großteil der Anleger behält einen kühlen Kopf und beweist, dass Geduld entscheidend ist. Das Erwerben und Halten von Coins – auch in vermeintlich schlechten Zeiten – hat in der Krypto-Szene Tradition (siehe “HODL“). Auch aus steuerlichen Gründen empfiehlt sich der lange Anlagehorizont. Gewinne aus dem Verkauf und Tausch von Kryptowährungen sind nicht steuerpflichtig, wenn der Käufer die Coins für länger als ein Jahr hält. Das gilt übrigens auch für den Handel von Kryptowährungen untereinander!

Unter Einbezug aller Faktoren wird deutlich, dass es sich bei Bitcoin immer um das persönliche Risiko dreht. Anleger sollten sich daher bewusst sein:

Investiere nie mehr in Kryptowährungen als Du bereit bist zu verlieren!

Der Grund liegt auf der Hand. Für Kryptowährungen gibt es im Grunde wahrscheinlich nur zwei Endszenarien:

  • Bitcoin & Co. haben in 10 Jahren keine Bedeutung mehr. Zu diesem Zeitpunkt wäre das gesamte Investment verschwunden.
  • Kryptowährungen revolutionieren die Finanzwelt. Oder sie bringen zumindest in bestimmten Bereichen große Vorteile. Das investierte Kapital würde sich vervielfachen (falls der Anleger auf das richtige Pferd setzt).

Einen Mittelweg ist nicht offensichtlich.

Der aktuell zum überwiegenden Teil spekulative Wert von Kryptowährunge,n muss irgendwann durch realen Nutzen bestätigt werden.

Im Moment ist das zugegebenermaßen bei kaum einer Kryptowährung der Fall. Viele Verfechter vergleichen aber den aktuellen Status der Blockchain-Technologie gerne mit den Anfängen des Internets. Auch damals gab es viele Visionen, genauso viel unausgereifte Technik und gescheiterte Unternehmen. Ob sich der langfristige Erfolg des Internets auch für Kryptowährungen bewahrheitet, wird sich allerdings erst in den nächsten Jahren zeigen. Auf jeden Fall befindet sich diese neue Technologie trotz 10-jähriger Historie erst im Anfangsstadium.

Warum sollte ich also Kryptowährungen kaufen?

Selbst wenn die Chance, dass sich Kryptowährungen durchsetzen, nur bei wenigen Prozent steht, kann es aufgrund der möglichen Rendite Sinn machen, einen kleinen Betrag zu investieren. Es kommt immer auf das persönliche Risikoprofil an. Dazu haben wir hier ein praktisches Beispiel.

Die folgenden Fragen bieten bei der persönlichen Einschätzung zur Investition in Kryptowährungen eine Hilfestellung:

  • Habe ich den Großteil meines Portfolios in überwiegend sicheren Anlageformen (Fonds, Festgeld, …) investiert?
  • Habe ich Geld übrig, das ich in eine Anlage mit mehr Risiko und potentieller Rendite als zum Beispiel Aktien stecken möchte?
  • Interessiert mich dieses Zukunftsthema und will ich es aktiv begleiten?
  • Ärgere ich mich, wenn ich mich gegen ein Investment entscheide und stattdessen andere profitieren?
  • Will ich als “Early Adopter” mehr von dem potentiellen Nutzen von Kryptowährungen profitieren?
  • Bin ich technisch fit, sodass mir die teilweise noch komplizierten Vorgänge für Sicherung und Verwahrung nichts ausmachen?

Lautet die Antwort auf diese Fragen (vor allem die ersten beiden) eher nein, dann sind Kryptowährungen im Moment höchstwahrscheinlich noch keine Option. 

Bitcoin und Co. stehen für Eigenverantwortung und Unabhängigkeit. Wer mit solidem Grundwissen, Bereitschaft zu einem langen Atem und einer gewissen Risikoneigung ans Investment geht, für denen können Kryptowährungen eine gute Ergänzung zu anderen Anlageklassen sein. Und im Gegensatz zu Gold, Anleihen und & Co. wird es bei Kryptowährungen vor allem eins nicht: Langweilig!

Zu Teil 1: Warum braucht die Welt Kryptowährungen?

Zu Teil 3: Welche Kryptowährungen sollte ich kaufen? →

 

Disclaimer: Der Handel mit Kryptowährungen birgt ein hohes Risiko und kann bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Keine der hier aufgeführten Informationen sind als Anlageberatatung zu verstehen. Alle genannten Kurse sind ohne Gewähr. Bitte beachten Sie dazu auch den den Haftungsausschluss im Impressum.
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