• de

Kryptowährungen für Einsteiger ist für all diejenigen gedacht, die sich zum Thema Bitcoin, Blockchain und Kryptowährungen informieren möchten. Der Ratgeber unterstützt Leser dabei, die ersten Schritte Richtung Besitz und Nutzung von Kryptowährungen zu nehmen.

In 8 Teilen vermitteln wir, warum wir und viele andere so enthusiastisch den Entwicklungen dieser neuen Technologie entgegenblicken. Unkompliziert, verständlich und ohne Fachchinesisch.

Teil 1: Warum braucht die Welt Kryptowährungen?

Ausgangsproblem: Digitales Geld ohne Mittelsmann nicht möglich

Kryptowährungen sind aus einer konkreten Problemstellung heraus entstanden. Gibt beispielsweise eine Person im “realen” Leben ihrem Freund einen 50-Euro-Schein, handelt es sich dabei um einen Vorgang ohne Mittelsmann. Will heißen: Die Transaktion erfolgt direkt von A nach B, ohne dass jemand anderes davon weiß. Es gibt keinen, der sie verhindern kann. Im Internet hingegen existiert diese Art von Transaktion nicht. Und das ist nicht nur auf Geld beschränkt – auch andere Werte spielen eine Rolle. Selbstverständlich lässt sich Geld mit PayPal oder ähnlichen Dienstleistern verschicken oder eine digitale Banküberweisung durchführen. Der Unterschied besteht darin, dass Nutzer in diesen Transaktionen auf Einrichtungen wie Banken oder Zahlungsdienstleister angewiesen sind:  

In Systemen, die auf solchen zentralen Institutionen basieren, müssen sich Menschen immer mit ihnen arrangieren. Ohne sie können wir keine einzige wirtschaftliche Transaktion vornehmen. Das gibt diesen Stellen zwangsläufig große Macht. So kann es vorkommen, dass PayPal Transaktionen rückgängig macht oder sogar ganze Konten einfriert, weil Inhaber gemäß der Einschätzung gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen. Hierzulande schenken wir unseren Banken Vertrauen und glauben, jederzeit über unser Geld verfügen zu können. Nichtsdestotrotz kam es in der Vergangenheit oft vor, dass genau das nicht zutrifft. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte “Bankrun”, bei dem zu viele Leute zum gleichen Zeitpunkt ihre Reserven in Bargeld ausgezahlt haben möchten.  Hinzu kommt, dass bei fast allen Transaktionen Mittelsmänner am Geschehen mitverdienen – durch Bankgebühren, Transaktionsgebühren, Maklergebühren. usw.

Spürbar ist die Auswirkung dieser Konzentrierung in den letzten Jahren vorrangig bei den Zentralbanken, die mit ihrer Geldpolitik das Schicksal ganzer Kontinente beeinflussen. Seit der Leitzins des Euro so niedrig steht und Zentralbanken Geld in Massen drucken, um die Wirtschaft in Schwung zu halten, haben konservative Sparer in Europa schlechte Karten. Längst haben wir uns damit abgefunden, dass durch die stetige Inflation “früher alles billiger war”. Das stimmt natürlich nicht ganz, weil auch die Löhne ansteigen. Angespartes Vermögen wird durch diese Vorgänge allerdings konsequent entwertet.   

Gegenentwürfe zur Abhängigkeit von zentralen Währungen gab es über die Jahre viele, vor allem und gerade im Internet. Das Grundproblem blieb jedoch das Gleiche. Sobald ein Unternehmen eine digitale Währung herausgibt, sind alle Benutzer der Währung von Wohl und Wehe dieser Institution abhängig. Darin liegt einer der Gründe, warum sich digitale Tokens als Zahlungsmittel im Internet nie wirklich durchgesetzt haben. Ein anderer war, dass Unternehmen und Privatpersonen gar nicht die Sicherheit bieten können, die eine Zentralbank als verlängerter Arm der Regierung hat.

Erste Kryptowährung Bitcoin

Der Durchbruch gelang einem Mann namens Satoshi Nakamoto im Oktober 2008. In einem “Whitepaper” beschrieb er eine neue Technologie. Sie sollte es ermöglichen, Transaktionen einer digitaler Währung so durchzuführen, dass alle Teilnehmer der Richtigkeit der Transaktionen vertrauen können. Dabei gibt es keine zentrale Stelle, die die Kontostände überwacht. Die digitale Währung Bitcoin war geboren. Mit ihr etablierte sich das Konzept der sogenannten Blockchain und des dezentralen Konsens

Das erklärte Ziel von Bitcoin lag einerseits darin, eine Alternative zu dem von Zentralbanken ausgegebenem Geld zu bieten. Außerdem sollte die Technologie die Möglichkeit schaffen, Geld digital zu von A zu B (Peer-to-Peer) zu versenden, ohne auf einen Mittelsmann angewiesen zu sein.

Eine Bewegung entsteht

Der Durchbruch einer ohne Mittelsmann auskommenden Vertrauensebene im Internet und und der damit verbundenen Möglichkeiten war anfangs nur wenigen klar. Vor allem Anhänger der Philosophie der individuellen Handlungs- und Gedankenfreiheit (englisch “Libertarian”) fanden in der Folge zunehmend Gefallen an dieser unabhängigen Form von Geld. Hinzu kamen Technik-Enthusiasten, die mit der Software spielten und anfingen Bitcoins zu “Minen”, (Durch Mining werden Bitcoins erzeugt). Aus der Leidenschaft heraus entstand eine für Bitcoin Enthusiasten spezifische Weltanschauung für Geld, Werte und Eigentum, die auch jetzt noch die Grundpfeiler dieser Bewegung sind.

  • “Be you own bank” – Die Souveränität über die eigenen finanziellen Mittel steht im Vordergrund. Niemand sollte die Macht haben, Geld zu entwerten (Inflation), zu kontrollieren oder konfiszieren
  • Niemand soll das Recht haben Zahlungen zu zensieren, verbieten oder verhindern.
  • Die jedem Bürger zugesprochene Privatsphäre ist auch Transaktionen im Internet wichtig.
  • Alle Fiat-Währungen (von Regierungen herausgegebenes Geld) haben langfristig keine Zukunft, weil sie inflationär sind und seit der Abschaffung des Goldstandard durch nichts mehr “gedeckt” sind.
  • Bitcoin ist ein digitaler Gold Ersatz als Krisenwährung, mit einer Reihe von Eigenschaften die Gold nicht hat (Teilbarkeit, leicht zu versenden und zu lagern).

Das Blockchain-Konzept in aller Kürze

Anstatt Informationen, Daten oder Geldwerte über eine Stelle zu steuern oder zu speichern, werden alle Vorgänge in regelmäßigen Abständen in Blöcken (= Block) in einer kontinuierlichen Transaktionsliste (= Chain) abgelegt, die auf vielen tausenden Rechnern im Netz verteilt ist. Diese dezentrale Speicherung reicht für sich allein stehend aber nicht zur Etablierung eines nachhaltigen Vertrauensverhältnisses aus.

Jede einzelne Handlung wird zusätzlich vom Netzwerk abgesegnet. Gültige Transaktionen werden anschließend in einem Block gebündelt und durch aufwändige Rechenvorgänge der Blockchain hinzugefügt. Dieser als Mining bezeichnete Vorgang erfodert viel Rechenleistung. Das gesamte Verfahren, das das Vertrauen in die Transaktionhistorie begründet, ist als Proof of Work bekannt. Die Bezeichnung „Kryptowährungen“ kommt daher, dass für einige der Prozesse kryptographische Verschlüsselungsverfahren verwendet werden. Da die Blöcke aufeinander aufbauen, ist es nahezu ausgeschlossen, falsche Transaktionen einem älteren Block der Blockchain hinzuzufügen.

Durch diese Methode sind nicht nur ein oder wenige Mittelsmänner in Transaktionen involviert. Im gesamten Netzwerk findet ständig gegenseitige Kontrolle statt. Darüber hinaus erfüllt das System zwei Eigenschaften, die für ein globales Netzwerk entscheidend sind. Aufgrund der über die ganze Welt verteilten Nutzer und Miner ist es nicht möglich, das System abzuschalten. Und die Kontostände, die sich aus der Transaktionshistorie ergeben, können nicht manipuliert werden.  

Bitcoin ist nicht die einzige Kryptowährung

Der erste Anwendungsfall für die Blockchain-Technologie, die aufgrund der Speicherung in vielen „Geschäftsbüchern“ auch als Distributed Ledger Technology bekannt ist, war die Kryptowährung Bitcoin. Bitcoin funktioniert wie eine Währung aus dem „echten“ Leben: 1 Bitcoin lässt sich in beliebige kleinere Einheiten unterteilen. Mit den Coins zahlen Nutzer für Dienstleistungen und Waren, sie kaufen damit in Online-Shops ein oder tauschen Bitcoins gegen andere Währungen. Alle Bewegungen sind lückenlos in der Bitcoin-Blockchain dokumentiert (jedoch ohne personenbezogene Daten). Doch digitales Bargeld ist nicht der einzige Anwendungszweck für eine nicht veränderbare Transaktionshistorie. 

In den Folgejahren haben Programmier viele neue Kryptowährungen, Protokolle und Systeme entwickelt, die auf Blockchain Technologie aufbauen. Manche haben Bitcoin mit abweichenden Eigenschaften kopiert. Andere versuchen, komplett neue Anwendungsfälle zu kreieren.  Viele Währungen haben ihre eigene individuelle Blockchain beziehungsweise Speichermethode. Eine Übersicht über die wichtigsten Kryptowährungen und deren Eigenschaften gibt es hier.

Warum haben Kryptowährungen einen Wert?

In den meisten Fällen hören Menschen das erste Mal von Bitcoin & Co., weil der Kurs einen neuen Höchststand erreicht hat oder es einen Crash gab. Aber warum schwankt der Wert so stark? Und warum haben Kryptowährungen überhaupt einen Wert? Dazu muss man wissen, warum etwas überhaupt wertvoll für Menschen ist.

Der Wert liegt im Auge des Betrachters. Er entsteht, wenn eine Sache begrenzt zur Verfügung steht und einen Nutzen hat.

Der aktuelle Wert von Kryptowährungen spiegelt vor allem die Spekulation auf ihren zukünftigen Nutzen wieder. In den Anfängen des Internet schätzten Anleger die Rendite der neuen Technologie so hoch ein, dass es im Jahr 2000 zu einer Blase kam (“Dotcom-Blase”). Etwas ähnliches sehen wir jetzt auch. Es besteht insofern der Unterschied, als dass sich Anleger nicht Anteile an einem Unternehmen kaufen, sondern das vermeintliche digitale Äquivalent von Gold – eine begrenzte Ressource, die einen Nutzen hat. 

Im Vergleich zu dem Edelmetall bieten Kryptowährungen eine Reihe von Vorteilen. Während die Aufbewahrung von Gold unpraktisch und mit hohen Kosten verbunden ist, können Bitcoins ohne finanziellen Aufwand gehalten werden. Ebenso lassen sich die Coins beliebig aufteilen und um die Welt verschicken. Der Tausch in andere Währungen oder in Gegenstände erfolgt bei den meisten Blockchains innerhalb von Sekundenbruchteilen. Für die Transaktionen braucht es nur wenig Einsatz an Technik und ein paar Klicks. 

Der aktuelle Preis ist immer der Betrag, den jemand bereit ist, für einen Bitcoin zu bezahlen, bzw. für den jemand seinen Bitcoin verkaufen möchte. Darin unterscheidet sich Bitcoin nicht von Aktien, Gold oder sonstigen Preisen die auf Angebot und Nachfrage basieren.

Blockchain ist mehr als nur Währung

Digitales Geld ist für Blockchains der naheliegendste Anwendungsfall. Doch eine dezentrale Transaktionshistorie kann mehr als nur Währungsgrundlage sein. Unternehmen, insbesondere aus dem Finanzbereich, Industrie und Logistik, versprechen sich davon eine nie dagewesene Transparenz. Viele großen Konzerne forschen zurzeit mit eigener Abteilung zum Thema. Im juristischen Bereich könnten Blockchains langfristig Verträge und Mittelsmänner ersetzen. Und wenn man sich das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz anschaut, würde eine Kette aus nachvollziehbaren Transaktionen viele Vorgänge erleichtern.

Aber nicht nur die Anwendungsszenarien der Blockchain haben sich aufgefächert. Mittlerweile existieren neben der Blockchain weitere Herangehensweisen an die Fragestellung „Wie schaffe ich vertrauenslose Systeme für digitale Anwendungen?“.  Beispiele sind Tendermint, Hyperledger, IOTA und Dfinity.

Im Kreuzfeuer der öffentlichen Meinung – einerseits spekulativ, andererseits mit immensem Potenzial – haben Kryptowährungen in den letzten Jahren langsam, aber stetig an Boden gewonnen. Erst der starke Anstieg des Bitcoin-Kurses im letzten Quartal 2017 hat sie aber in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Nun gibt es besonders unter Laien viele Fragen. Wie sollte man in investieren? Wie funktionieren Kauf und Tausch? Und was gibt es noch jenseits der finanziellen Anwendungsmöglichkeiten? Diese Fragen beantworten wir in unserem mehrteiligen Ratgeber.

Zu Teil 2: Sollte ich Kryptowährungen kaufen? →

Disclaimer: Der Handel mit Kryptowährungen birgt ein hohes Risiko und kann bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Keine der hier aufgeführten Informationen sind als Anlageberatatung zu verstehen. Alle genannten Kurse sind ohne Gewähr. Bitte beachten Sie dazu auch den den Haftungsausschluss im Impressum.
Mit markierte Links sind 'Affiliate-Links', die uns dabei helfen diese Inhalte kostenfrei und ohne Werbebanner anbieten zu können.