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Teil 6: Was kann ich mit meinen Kryptowährungen machen?

Halten und nichts tun?

Als Bitcoin um 2010 herum Fahrt aufnahm, war die Kryptowährung der Öffentlichkeit vor allem als Zahlungsmittel bekannt. Erste Plattformen und Online-Initiativen akzeptierten die Coins als Gegenleistung. Ab 2012 kamen Cafés und Bars „im echten Leben“ hinzu. Mittlerweile ist jedoch klar: Kaum jemand nutzt Kryptowährungen tatsächlich als Zahlungsmittel. Dazu sind die Preisschwankungen zu hoch. Und warum sollten Bitcoins jetzt in den Umlauf, wenn man darauf hofft, dass der Wert morgen steigt?

Die überwiegende Mehrheit aller Einsteiger zeigt weder aus ideologischer Überzeugung Interesse an Kryptowährungen. Noch ist sie sonderlich zufrieden mit den aktuell verfügbaren Zahlungsmethoden. Für sie sind Kryptowährungen schlicht eine Investitionsmöglichkeit. Insofern stellt sich die Frage nach dem Zweck von Kryptowährungen nur wenigen. Langfristig sollte sich das ändern. Denn der aktuell hauptsächlich spekulative Wert muss irgendwann einen realen Nutzen haben, um eine ernst zu nehmende Anlageklasse zu bleiben.

Im Grunde genommen lässt sich mit Bitcoin & Co. alles tun, was sich auch mit Geld realisieren lässt. Der Unterschied bei Kryptowährungen besteht darin, dass sich um jede Währung eine eigene, oft sehr aktive Community bildet. Außerdem existieren bei Kryptowährungen besondere Ausprägungen, wie zum Beispiel das Initial Coin Offering.

Gelten Kryptowährungen als Geld in Deutschland?

Krypto-Neulingen ist oft nicht klar, ob sie in Deutschland überhaupt rechtmäßig mit ihren Coins bezahlen können.

Bevor sich der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2015 mit Zahlungsvorgängen in Kryptowährungen auseinandersetzte, galten Transaktionen mit diesem Medium zwischen Nutzern in der EU als Tauschgeschäfte. Will heißen: Anstatt Geld für Geleistestes zu erhalten, tauschten Anbieter laut offizieller Auslegung ihre Güter gegen Güter der Kunden. Das hatte vor allem Auswirkungen auf die Umsatzsteuer. Die Zahlung selbst war jedoch nicht verboten.

Im Oktober 2015 kam schließlich der Entscheid, dass Bitcoin & Co. als gesetzliche Zahlungsmittel betrachtet werden können. Damit wurde möglich, dass sich Rechnungen in Ethereum oder Litecoin ausstellen lassen. Praktisch gesehen werden Kryptowährungen auf diese Weise wie ausländische Devisen behandelt.

Erhält ein Kunde in Deutschland beispielsweise eine „normale“ Rechnung aus den USA, bezahlt er sie in Dollar. Die Bank übernimmt schließlich den Tausch und Einbuchung in Euro und nimmt dafür Gebühren. Bei Kryptowährungen ist es den Nutzern überlassen, ob und wann sie die Coins in Fiat-Währung umtauschen wollen. Der anwendbare Umrechnungskurs ist dabei aber immer der, den die Währung am Tag der Transaktion hatte.

Was ist der Unterschied von Kryptowährungen zu Bargeld?

Im Allgemeinen unterscheiden sich Kryptowährungen in der Anwendung kaum von Bargeld. Wer ein mobiles Wallet besitzt, kann vor Ort damit zahlen, Geld mit Freunden tauschen und Beiträge erhalten. Einzig sämtliche Transaktionen sind lückenlos in der Blockchain hinterlegt.

Daher sind Kryptowährungen – im Gegensatz zur allgemeinen Meinung – kaum anonym. Mit Bargeld werden signifikant mehr krumme Geschäfte (Waffen, Drogen, etc.) abgewickelt als mit Bitcoin. Oft lassen sich durch die Nachverfolgung von Wallet-Adressen sogar bestimmte Nutzer ermitteln.

Es gibt ein paar Kryptowährungen, die durch neue Technologien vollkommene Anonymität für ihre Nutzer schaffen. Dazu zählen unter anderem Monero und Zcash.

Wird auf Kryptowährungen Steuer fällig?

In Deutschland fällt auf so gut wie alle Arten von Geschäften Umsatzsteuer an, auch wenn sie in Kryptowährungen ablaufen. Hinzu kommen Einkommen- und Abgeltungssteuer auf Gewinne. Diese sind steuerfrei, solange die entsprechenden Coins und Tokens mehr als ein Jahr gehalten oder zum Kauf anderer Kryptowährungen genutzt wurden.

Mehr zur Steuer und den Rahmenbedingungen haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengefasst.

Mit Kryptowährungen zahlen

Grundsätzlich lassen sich Produkte und Dienstleistungen in jeder Kryptowährung begleichen. Praktisch gesehen haben sich allerdings die großen Namen, das heißt Bitcoin und Ethereum, als „Weltwährungen“ etabliert. Wer aber beispielsweise in der Berliner Bar Room77 zahlen möchte, kann das in Bitcoin tun.

Online geht es ein wenig diverser zu als in den Läden und Cafés mit Annahmestellen. Plattformen, eine der Säulen im Blockchain-Universum, lenken die Nutzer allerdings meist zu Währung oder Token ihres eigenen Ökosystems. Das zeigt sich gut auf Portalen wie Steemit (Steem) oder Aeternity (Aeons). Auch dApps – Anwendungen, die auf Distributed Ledger Technologie basieren -, führen meist eigene Tokens. Eine der erfolgreichsten dApps ist CryptoKitties. Das Spiel, in dem User digitale Katzen kaufen, aufziehen, miteinander paaren und verkaufen können, erlebte einen regelrechten Boom. Zeitweilig war die Ethereum-Blockchain, auf der das Spiel basiert, deswegen überlastet.

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass trotz der ursprünglich hehren Ziele der Bitcoin-Bewegung Spiele Angebot und Nachfrage dominieren. Prognosemärkte, Entwicklungsplattformen sowie Portale zur Zahlungs- und Identitätsabwicklung machen unter den bekannteren Namen den Rest aus.

Im Internet gibt es zahlreiche Listen, die entweder alle dApps nach Beliebtheit führen (Dappradar) oder sich auf bestimmte Ökosysteme beziehen (State of the Dapps, NEO dApps).

Im regulären Zahlungsverkehr spielen zunehmend Krypto-basierte Kreditkarten eine Rolle. Zu den mittlerweile zahlreichen Anbietern zählen unter anderem Bitwala und Revolut. Das Prinzip beruht darauf, dass die Karte im Alltag per Euro oder Dollar funktioniert, Zahlungen jeoch vom Wallet abgehen.

Auch sind einige Krypto-Initiativen und -Firmen sind dazu übergegangen, Gehälter und Rechnungen in Kryptowährungen zu zahlen. Viele Freelancer, Krypto-Anwälte und Inhaber von Info-Portalen zu Blockchain bitten um Spenden in Kryptowährungen, genauso wie Non-Profits. Eine unvollständige Liste gibt es hier. Wer Coins übrig hat und eine gute Sache unterstützen möchte, kann sicherlich auch über diesen Weg zu mehr Relevanz von Kryptowährungen beitragen.

In Kryptowährungen und -projekte investieren

Möchte sich ein Nutzer an einem bestimmten Projekt beteiligen, stehen ihm mehrere Wege offen. Geht es rein um den „Zahlungsverkehr“, erwirbt er sich hierzu Tokens oder verdient sie sich durch Aktivitäten im jeweiligen Ökosystem. Die Anschaffung solcher Stakes kann aber ebenso einen Investitionshintergrund haben. Tokens sind unter anderem deswegen frei auf vielen Börsen handelbar.

Der hauptsächliche Weg eines Tokens zum Nutzer erfolgt jedoch in Initial Coin Offerings. Diese Token-Ausschüttungen finden meist zu Beginn eines neuen Projekts statt. Das Konsortium programmiert Tokens, gibt sie während eines vorher definierten Zeitraums gegen Fiat- oder Kryptowährungen an die Öffentlichkeit aus und erhält im Gegenzug Mittel zum weiteren Aus- und Aufbau. Mehrere große Projekte haben sich so etabliert, wie Telegram, Augur oder EOS.

Sobald das Projekt konsolidiert ist und eine Rendite einfährt, haben Token-Besitzer die Chance, „Zinsen“ zu bekommen. Ob und wie das stattfindet, ist im jeweiligen Token einprogrammiert. In nicht wenigen Fällen entscheiden sich Investoren jedoch außerdem zum Kauf, weil sie auf einen starken Wertgewinn des Token in der Zukunft spekulieren. Tritt das ein, lassen sich die Gewinne hauptsächlich mit dem Verkauf realisieren. Eine staatliche Garantie oder Reglementierung solcher Zahlungen existiert (noch) nicht.

Ob und inwiefern ein ICO von Interesse ist, hängt von diesen dessen Eckpunkten ab. Unzählige Portale im Internet analysieren und bewerten ICOs nach zuvor festgelegten Kriterien. Des weiteren gibt es umfangreiche Listen aktueller und kommender ICOs. Bei den „großen“ ICOs kommt zudem ein beachtliches Medienecho hinzu.

Airdrops stellen eine weitere Erwerbsmöglichkeit dar. Das Projektkonsortium schüttet Tokens so kostenlos an Nutzer aus, oft vor einem ICO. Als Gegenleistung müssen die Empfänger das Projekt auf den sozialen Medien teilen, der Projektgruppe beitreten oder anderweitig ihre Unterstützung ausdrücken. Auch für diese Art der Ausgabe gibt es Informationsportale im Netz. Der Wert dieser kostenlos ausgegebenen Tokens hängt stark von ihrer Knappheit und Zugänglichkeit ab.

Mit Kryptowährungen Geld verdienen

Als der Boom Ende 2017 die Krypto-Gemeinde erfasste, war in den Medien vor allem eine Botschaft zu lesen: Wer geschickt mit Kryptowährungen handelt, kann reich werden. In der Realität trifft das auf die wenigsten zu. Zum Traden benötigt es zunächst ein umfangreiches Wissen rund um die Materie. Hinzu kommen Zeit und Ressourcen, um Kurse zu beobachten und schnell agieren zu können. Ist das geschafft, bilden steuerliche Aspekte und eine komplizierte Abrechung die letzten Hürden für den Trader.

Ein schnelles Hin und Her erscheint verlockend. Für Krypto-Einsteiger ist der lange Atem aber meist die bessere Wahl. Ohne staatliche Garantien ist und bleibt die Investition in Bitcoin ein Risiko, vor allem im Bereich der kurzfristigen Investition.

Das sogenannte Mining war 2017 ebenfalls in aller Munde. Miner hängen Blocks and die kontinuierliche Blockchain und erhalten dafür eine Gegenleistung von aktuell 12,5 Bitcoin pro Block. Von außen betrachtet wirkt es einfach: die erforderliche Technik anschaffen, Knotenpunkt einrichten, Rätsel lösen, Bitcoin verdienen. Aber auch das ist leichter gesagt als getan. Ging es bei Bitcoin anfänglich noch mit Computer und später Grafikkarte, braucht man mittlerweile umfangreiche Energieressourcen fürs Mining. Es ist also ein Frage des Inputs versus Outputs.

Die Aktivität der Miner ist an den Proof-of-Work-Konsens gekoppelt. In anderen Konsensverfahren, wie beispielsweise Proof of Stake, braucht es oft weniger bis gar keine Technik. Bei manchen Kryptowährungen entscheidet alleine die Anzahl der gehaltenen Coins über die Auswahl der Staker. Aber auch hier ist zunächst ein Grundlagenwissen nötig, um einen Knotenpunkt zu etablieren. Das schließt einen Großteil der Krypto-Neulinge aus.

Insofern ist die Möglichkeit, Kryptowährungen zu verdienen, sicherlich vorhanden. Praktikabel wird sie bei den meisten erst, wenn sie sich ein gewisses Wissensniveau erarbeitet haben.

Programmierer mit Wissen zu Bitcoin & Co. und deren Programmiersprachen profitieren derzeit am meisten von Kryptowährungen. Besonders in den weltweiten Epizentren von Blockchain-Anwendungen wie Berlin und Zug sind ihre Kenntnisse stark begehrt. Für viele Developer tut sich mit Blockchain ein völlig neuer Karriereweg auf. Die meisten sind, oft unentgeltlich, in den zahlreichen Krypto-Communities aktiv.

Sich an Communities beteiligen

Der „gemeine“ Nutzer profitiert ebenfalls vom Engagement in einer Community. Egal ob die Gruppierung projektgebunden oder allgemeiner Natur ist – durch die gegenseitige Unterstützung vermehrt sich das Wissen der Nutzer. Interessante Communities finden sich themenkonzentriert rund um die zahlreichen Blockchain-Anwendungen, aber auch in Telegram-Gruppen, auf Reddit, in Foren wie Bitcointalk oder auf den wachsenden Stammtischen, Konferenzen und Events. Zum Beispiel listet Meetup alleine in Berlin mehrere Gruppen zu Kryptowährungen.

Wer sich in Bitcoin einarbeitet, kommt meist schnell zu einem oder mehreren Lieblingsprojekten. Hier lohnt sich das Engagement, auch im Hinblick auf aktuelle oder zukünftige Verdienstmöglichkeiten, besonders.

Der Frauenanteil ist über alle Zusammenschlüsse hinweg sehr niedrig. Einzig die Positionen im Community Management werden zunehmend weiblich besetzt. Frauen sind insofern dazu aufgefordert, die Vielfalt der Stimmen aus der Community zu verbessern.

Zu Teil 5: Wie verwende ich meine Kryptowährungen?

Zu Teil 7: Wie verwalte ich Kryptowährungen sicher →

Disclaimer: Der Handel mit Kryptowährungen birgt ein hohes Risiko und kann bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Keine der hier aufgeführten Informationen sind als Anlageberatatung zu verstehen. Alle genannten Kurse sind ohne Gewähr. Bitte beachten Sie dazu auch den den Haftungsausschluss im Impressum.
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