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Holger

Verschiedene Typen von Kryptowährungen

Der Versuch einer Klassifizierung

Der Begriff ‘Kryptowährungen‘ wird normalerweise als Oberbegriff für alle digitale Token verwendet, die genau wie Bitcoin und Ethereum auf einer Blockchain oder ähnlichen “Distributed-Ledger” beruhen. Coinmarketcap.com listet aktuell über 1.500 solcher “Cryptocurrencies”.

Doch Kryptowährung ist nicht gleich Kryptowährung. Die Unterschiede in der Ausrichtung und der Zielsetzung der einzelnen Coins sind teilweise drastisch. Selbst Bitcoin und Ethereum haben auf dem Papier eigentlich einen komplett verschiedenen Einsatzzweck. Der folgende Artikel ist daher der Versuch, die einzelnen Kryptowährungen anhand bestimmter Eigenschaften in verschiedenen Typen zu klassifizieren. Der Übergang zwischen den einzelnen Typen ist allerdings recht fließend. Das wird in der Grafik (siehe unten) deutlich.

Cryptocurrencies – Kryptowährungen im eigentlichen Sinn

Beispiele: Bitcoin (Cash), Dash, Monero, Litecoin, ZCash

Wirkliche Kryptowährungen haben vor allem nur einen Zweck: Sie wollen Zahlungsmittel sein, mit dem man Waren oder Dienstleistungen kaufen kann. Von einem Zahlungsmittel (also Geld) spricht man, wenn die folgenden drei Eigenschaften erfüllt sind:

  • Mit Verrechnungseinheiten kann es jeden Gegenwert repräsentieren (“unit-of-account”).
  • Die Werterhaltung muss gewährleistet sein (“store-of-value”). Zugegebenermaßen ist sie bei der Volatilität von Kryptowährungen nicht immer gegeben.
  • Es muss überall Vertrauen als gültiges Tauschmittel genießen (“medium-of-exchange”).

Die ersten beiden Eigenschaften werden von quasi allen Kryptowährungen mehr oder weniger gut erfüllt. Beim Dritten trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen. Während zum Beispiel DASH (“Digital Cash”) ganz klar darauf baut, von möglichst vielen Händlern als Zahlungsoption anerkannt zu werden, ist das bei vielen der hier beschriebenen Coins überhaupt nicht der Fall.

Eigenschaften, die “echte” Kryptowährungen haben sollten:

  • viele Anbieter, die sie als Zahlungsmittel akzeptieren, sowohl online als auch in der realen Welt (“Bitcoin accepted here”)
  • eindeutigen Vorteil gegenüber herkömmlichen Zahlungsmitteln (zum Beispiel Anonymität, Geschwindigkeit, Einfachheit,..)
  • gute Usability (zum Beispiel mobile Wallets, einfach gegen andere Währungen einzutauschen)

Plattform-Token

Beispiele: Ethereum, Lisk, EOS, 0x

Unter Plattform-Token fallen Kryptowährungen, die für die Teilnahme an der zugrundeliegenden Plattform benötigt werden. Zum Beispiel braucht man Ether als Gebühr, um mit Ethereum Smart Contracts auszuführen. Auch wenn Plattform-Token als Zahlungsmittel verwendet werden könnten (am Beispiel Ether sieht man, dass dies auch passiert), ist dies nicht unbedingt beabsichtigt.

Eigenschaften von Plattform-Token:

  • Andere Systeme bauen auf der Plattform auf (zum Beispiel ICOs oder dApps – dezentralisierte Applikationen).
  • Geldpolitk spielt eine untergeordnete Rolle (zum Beispiel inflationäre Ausgabe von Token oder Token werden nach Nutzung unbrauchbar, “burned”).
  • Anwendungen, die auf der Plattform erstellt werden können, sind vielseitig.
  • große Infrastruktur (Entwickler, Community, Ökosystem)

Utility-Tokens

Beispiele: Augur, Steem, Bancor, Golem, Sia

Utitlity Tokens sind Kryptowährungen, deren Einsatzzweck klar in der Applikation definiert ist. Genau wie bei Platform-Token haben Utility-Token außerhalb des Systems, in dem sie existieren, keinen Anwendungszweck (außer Spekulation und die damit verbundenen Transaktionen).

  • STEEM wird zum Beispiel ausschließlich als Entlohnung für gute Inhalte innerhalb des steemit.com Ökosystems verwendet.
  • GNT (Golem Network Token), wird nur für die Bezahlung von nicht genutzten Computer Ressourcen auf einem Marktplatz genutzt.
  • Bei Sia ist es das gleiche mit nicht benutzter Festplattenkapazität.

Eigenschaften von Utility-Token sind also:

  • fest definierte Zwecke (zum Beispiel Bezahlung innerhalb dApp, Voting)
  • vergleichbar mit einem Gutschein zur Nutzung des System.
  • bauen oft auf anderer Plattform auf (zum Beispiel als ERC-20 Token auf Ethereum) und haben keine eigene Blockchain
  • adressieren mit ihrer Nutzung eine Nische (zum Beispiel Augur + Gnosis => Prediction Market, Steem => Content) und sind daher oft viel kleiner als andere Kryptowährungen, was die Marktkapitalisierung angeht.

Security-Token (oder Equity Token, Crypto-Asset)

Beispiele: NEO, Binance Coin, Kucoin Shares, Coss

Hier hat sich im Deutschen noch kein Begriff wirklich durchgesetzt. Aber unter Security Token versteht ich tokenisierte Anteile an einer Firma, Systems oder eines Projekts aus dem Crypto-Umfeld. Ähnlich wie Aktien beziehen diese Anteile ihren Wert vor allem dadurch, dass man einen Teil des dahinterliegenden Systems “besitzt”. Oft wird an alle “Share-Holder” eine Art Dividende ausgezahlt. Entweder kommt diese Dividende aus den Transaktionsgebühren, oder ist ein Teil der Umsatzes, welches mit dem System erwirtschaftet wird. Eine weitere erfolgreiche Art der Dividendenausschüttung ist das virtuelle Zerstören von Coins (“Coin burn”). Durch die Abnahme der verfügbare Menge an Token steigt der Wert der verbliebenen Token.
Beispiele:

  • Bei NEO wird kontinuierlich ein fester Betrag an alle NEO-Shareholder ausgeschüttet (NEO GAS). Dieses GAS wird benötigt, um Smart Contracts auf der NEO-Plattform auszuführen.
  • Bei Proof-of-Stake-Systemen wie zum Beispiel LISK oder NEM wird die Transaktionsgebühren nicht an Miner ausgeschüttet, sondern an diejenigen, die Transaktionen verifizieren, die “Staker”.
  • Die Börse KuCoin beteiligt Halter von KuCoin Shares (KCS) an den Handelsgebühren, ebenso COSS. Auch Binance schüttet einen Teil der Handelsgebühren indirekt an diejenigen aus, die BNB verwenden.

Der Vorteil von solchen Coins (oder besser Shares) ist es, dass man zusätzlich zur potentiellen Wertsteigerung des Tokens eine “Verzinsung” seines eingesetzten Kapitals erhält. Der Nachteil davon ist, dass solche Einnahmen versteuert werden müssen.

Fazit
Wie bereits geschrieben, ist eine klare Unterteilung der einzelnen Kryptowährungen in die vier Klassen nicht so einfach. Und wie die Grafik anzeigt gibt es jede Menge Überschneidungen in dieser Unterteilung. Vor allem bei Investitionsentscheidungen sollte man die Klassen jedoch im Hinterkopf behalten. Denn natürlich muss ein Utility-Token, das nur einen sehr begrenzten Einsatzzweck hat, ganz anders bewertet werden als eine Kryptowährung, die versucht, weltweit einen Teil des Zahlungsverkehrs abzugreifen.
Auch ist es sehr hilfreich diese Unterteilung zu kennen, wenn zum Beispiel durch ICOs neue Währungen entstehen. Braucht es wirklich die hundertste echte Cryptocurrency, die etwas geringfügig anders macht als BTC, LTC, Dash & Co? Oder handelt es sich um eine neue Plattform, die, bevor sie erfolgreich sein kann, erst einmal ein große Community an Entwicklern benötigt?
Auch sind unseres Erachtens Crypto-Shares im Moment am Gesamtmarkt noch deutlich unterrepräsentiert. Das liegt wohl auch daran, dass die Ausgabe von Anteilen / Beteiligungen eine regulatorische Herausforderung ist. Ich habe das Gefühl, dass wird sich in der nächsten Zeit ändern…

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