Holger

Eine Bitcoin Prognose – Wohin geht die Reise?

Bitcoin Prognose

Quo vadis Bitcoin?

2017 war auf den ersten Blick ein fantastisches Jahr für Bitcoin mit einer mehr-als-verzehnfachung der Preises für einen Bitcoin auf teilweise über 16.000 Euro. Beschäftigt man sich aber etwas tiefer mit der “Krypto-Leitwährung” wird schnell klar, dass nicht alles Gold Bitcoin ist was glänzt:

  • Bitcoin hat im Vergleich zu anderen Kryptowährungen deutlich verloren. Von der Marktdominanz von 85 Prozent (Anteil von Bitcoin am Gesamt-Kryptomarkt) von Anfang 2017 sind gerade mal noch ca. 35 Prozent übrig geblieben (Aktueller Chart hierzu). Der Wert der zweitgrößten Kryptowährung (Ethereum) hat im sich im gleichen Zeitraum zum Beispiel verhundertfacht.
  • Die anhaltende Debatte über den dringend notwendigen Skalierungsfahrplan hat die Gemeinde tief gespalten. Soweit, dass selbst langjährige Verfechter Bitcoin den Rücken kehrten. Auch der ‘Bitcoin Cash’ Fork war eine direkt Folge davon.
  • Die teilweise sehr hohen Transaktionsgebühren, sind zwar einerseits ein Zeichen des Erfolgs (viele Transaktionen), machen allerdings auf der anderen Seite Bitcoin für den täglich Einsatz unbenutzbar, weshalb z.B. viele Börsen auch ETH Handelspaare anbieten.

Wie sieht also die Prognose für Bitcoin in 2018 aus?

Was den Kurs angeht wollen wir hier keine Prognose abgeben. Einerseits weil wir der Meinung sind, dass dies unmöglich ist. Andererseits verstehen wir uns nicht als Anlageberater. Dieser Beitrag soll lediglich die Chancen und Risiken betrachten, die wir für Bitcoin in 2018 prognostizieren.
Keine der hier angebotenen Informationen sind als Anlageberatung zu verstehen.

tl;dr: Bitcoin hat noch den Netzwerkeffekt auf seiner Seite der wohl auch frisches Kapital als erstes anzieht, aber der Trend sieht nicht gut aus im Vergleich zu anderen Kryptowährungen. Vor allem das immer noch nicht gelöste Skalierungsproblem und die damit verbundene Frage nach dem wirklich realen Nutzen von Bitcoin drücken die Aussichten. Hinzu kommt die schwierige Community und der gefühlte Innovations-Stillstand bei der Entwicklung. Außerdem zeigen Herausforderer mit dem Finger auf den immensen Energie-Fußabdruck von Bitcoin.

Big Money und der Netzwerkeffekt

Bitcoin bleibt weiterhin die am bekannteste Kryptowährung und hat als Ursprungskryptowährung den Netzwerkeffekt auf seiner Seite.
Und auch während andere Anlageklassen (Aktien & Co) bei den Bitcoin Kursschwankungen seekrank über der Reling hängen würden, ist BTC im Vergleich zu anderen Kryptowährungen fast schon so etwas wie der “sichere Hafen” geworden. Institutionelle Investoren oder auch die Wall Street, die diese Regatta zum Großteil noch skeptisch vom Hubschrauber beobachten, werden ihre Füße wohl zunächst mit den “Großen” (Bitcoin, Ethereum, Litecoin & Co.) nass machen, bevor sie sich in die Untiefen des Altcoinfahrwassers begeben (So…genug Metaphern jetzt…)

Die Skalierungsdebatte

Auch 2018 wird weiterhin im Zeichen der wichtigsten Frage stehen, die übrigens nicht nur Bitcoin hat, sondern viele andere Kryptowährungen auch hätten, wenn sie so erfolgreich wären:  Wie schafft es Bitcoin deutlich mehr Transaktionen zu verarbeiten, ohne dass dadurch die Dezentralisierung und damit der Schutz vor Regulierung und Zensur verloren geht?

Gut möglich, dass die Antwort auf diese Frage über die langfristige Zukunft von Bitcoin entscheidet, denn: Wenn das Skalierungsproblem nicht gelöst wird, bleibt Bitcoin ein Netzwerk auf dem aufgrund der Transaktionsgebühren nur größere Beträge transferiert werden können. Viele Geschäftsmodelle sind nicht mehr tragbar. Und schon gar nicht die ursprüngliche Vision (siehe Whitepaper von Satoshi Nakamoto) vom “Peer-to-Peer Electronic Cash“.

Ob der aktuelle Preis, der ja den zukünftigen Nutzen widerspiegelt, dann noch gerechtfertig ist, ist fraglich.

Gelingt es allerdings durch Optimierungen und “Layer-2”-Lösungen wie das Lightning Netzwerk, Bitcoin auch für Mikrotransaktionen wieder attraktiv zu machen, könnte der Netzwerkeffekt von Bitcoin ausreichen, das Ruder nochmal rumzureissen.

Der reale Nutzen von Bitcoin

Wie bereits oben erwähnt, haben sich inzwischen viele Unternehmen und Projekte von Bitcoin abgewendet (Microsoft, Stripe, Yours, …), weil deren Geschäftsmodell oder der angedachte Einsatzzweck mit hohen Transaktionskosten und/oder langen Bestätigungszeiträumen nicht vereinbar ist. Die Frage bleibt also: welchen Nutzen hat Bitcoin in 2018 und darüberhinaus noch, denn: Etwas ist nur dann wertvoll, wenn es begrenzt verfügbar ist und einen Nutzen hat.

Unbestritten ist Bitcoin im Moment noch, das BTC das Eingangstor zur Welt der Kryptowährungen ist, denn alle anderen Kryptowährungen werden vor allem mit Bitcoin gekauft. Jede Börse hat Handelspaarungen mit BTC, aber nicht unbedingt mit ETH. Aber auch hier führen die hohen Transaktionsgebühren dazu, dass Trader verstärkt auf andere Handelspaarungen ausweichen.

Darüber hinaus scheint der einzige (nicht zu unterschätzende) Nutzen von Bitcoin der “Store-of-value” Aspekt zu sein. Keine andere Kryptowährung kann diese Eigenschaften vorweisen:

  • läuft schon seit über 9 Jahren ohne Zwischenfall auf der Protokollebene,
  • hat die größte Miner-Rechenpower und damit die höchste Sicherheit
  • ist anscheinend immun gegen jeglichen Versuch das System zu unterwandern
  • hat den Wert trotz zwischenzeitlicher Crashs sehr gut gehalten

Alles Eigenschaften die man von einem digitalen Goldersatz erwartet. Ein großes Plus für Bitcoin

Die “Energieverschwendung” von Bitcoin durch die Miner

Eins vorneweg: Niemand rechnet aus, wie viel Strom das Internet “verbraucht”, für den Bau von Autobahnen, oder für den Abbau von Gold “verschwendet” wird. Ein großer Teil des Blockchain-Durchbruchs basiert nunmal darauf, dass “Proof-of-Work” den dezentralen Konsens über den aktuellen Stand der Transaktionshistorie in der Blockchain erst möglich gemacht hat.

Sprich: In der Theorie ist der Energieaufwand durch Mining notwendig um das System robust und sicher zu halten.

In der Praxis gibt es aber inzwischen andere Systeme, die von sich behaupten auch ausreichend sicher zu sein und ohne Miner auskommen. Proof-of-Stake (Lisk, NEM, Cardano und bald vielleicht auch Ethereum gehören dazu) ist das bekannteste, aber auch DAG basierte Kryptowährungen wie IOTA oder Raiblocks gehen einen anderen Weg. Natürlich müssen diese erst noch eine ähnlich “lange” Historie ohne Zwischenfälle vorweisen, wie Bitcoin das getan hat.

Die Community und das Nachwuchsproblem

Wäre ich Entwickler und würde meine Zukunft im Blockchain-Bereich suchen, würde ich dann in der Bitcoin Community starten? Definitiv nicht. Dazu ist das Klima zu toxisch, und Innovationen die es ins Protokoll schaffen so selten wie Satoshi Nakamotos Fernsehauftritte.
Eine gesunde Community die schlaue Köpfe anzieht, ist aber eines der wichtigsten Faktoren für den Erfolg von Open-Source Projekten…es sei denn, die Schwerfälligkeit von Bitcoin entwickelt sich als Feature des Systems als einzige Kryptowährungen deren Regeln nicht mal von den Core-Entwicklern verändert werden können.

What the fork???

Forks, also die Spaltung der Blockchain in zwei nicht mehr kompatible Versionen hat sich als einzige Möglichkeit herausgestellt, das Protokoll zu updaten, wenn ein Teil der Community andere Vorstellungen hat als die Core-Entwickler. Allerdings entstehen dadurch neue Coins.
2018 wird sicherlich auch ein stückweit die Frage beantworten, wie sinnvoll solche Forks sind. Die Idee hinter Bitcoin Cash war sehr nachvollziehbar, aber warum Bitcoin Gold, Bitcoin Diamond und Co. einen Wert haben sollen bleibt uns schleierhaft…

Wird Bitcoin den Status als Kryptoleitwährung behalten?

Bitoin wird sicherlich nicht von heute auf morgen vom Thron gestoßen. Aber der Trend ist unserer Ansicht nach klar. Auch wir empfehlen zum Beispiel niemandem mehr Bitcoin auf den Kryptobörse zu nutzen, sondern raten dazu, die anderen Kryptowährungen wenn dann am Besten mit ETH zu kaufen. Mit steigendem Handelvolumen (und Liquidität) auf den Börsen wird sich auch die Anzahl der Handelspaare ohne BTC Beteiligung erhöhen. Setzt sich dieser Trend fort würde auch diese Nutzen von Bitcoin wegfallen und es bleibt lediglich das digitale Äquivalent von “Gold im Keller lagern” als Einsatzzweck von Bitcoin. Reicht das aus?

Fazit

Auch wenn die oben genannten Argumente eher einen pessimistischen Ausblick auf die Zukunft von Bitcoin suggerieren, sollte man die Widerstandsfähigkeit von Bitcoin nicht unterschätzen. Immerhin ist Bitcoin schon ca. 250 mal gestorben. Nichts desto trotz prognostizieren wir “The Flippening” in 2018, der Zeitpunkt an dem Bitcoin nicht mehr die Top-Krypwotährung sein wird. Was das für den Kurs bedeutet, dazu wagen wir allerdings keine Prognose. Alles in möglich in Kryptoland…

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