Warum Altcoins KEIN Mist sind

Dies ist eine Antwort auf Christoph Bergmanns Artikel “Warum Altcoins Mist sind“. Obwohl seine Argumentation nachvollziehbar ist und ich seine Meinung respektiere, stimme ich überhaupt nicht mit der Kernaussage, dass alles andere als Bitcoin Mist ist, überein. Daher ist dies der Versuch meine konträre Meinung zu begründen.

Zunächst zwei Vorbemerkungen:
1. Wenn man der Ansicht ist, dass “Sound Money”, finanzielle Souveränität und Transaktionsfreiheit wie sie Bitcoin verspricht der einzige sinnvolle Anwendungszweck der hochgelobten “Blockchain-Technologie” ist, dann macht die Einstellung der “Bitcoin Maximalisten” vollkommen Sinn. Da ist es schade um die Ressourcen die in Litecoin, Dash & Co gesteckt werden für etwas, das mit der Zeit auch mit Bitcoin möglich sein wird, oder gar nicht gebraucht wird.

2. 95-99% der alternativen Kryptowährungen und Blockchain Projekte SIND Blödsinn und werden auf dem digitalen Misthaufen landen, keine Frage. Mir geht es um den Rest, Projekte die im Laufe der Zeit ihre eigene Nische finden und dort blühen werden.

Der hinkende Vergleich mit dem Internet…

Christoph argumentiert, dass es ja auch keine vielen “Internetze” gibt auf denen Dienstleister mit Ihren Anwendungen um die Nutzer konkurrieren müssen sowie das bei Kryptowährungen der Fall ist.

Bitcoin ist aber keine Anwendung wie das WWW, sondern ein Protokoll! Und Protokolle gibt es im Internet viele konkurrierende. Wikipedia listet dutzende der insgesamt über 500 Protokolle der Internetprotokollfamilie entlang des OSI Schichtenmodells. Und warum braucht es neben HTTP auch noch FTP, SMTP, SSH, NTP & Co? Weil jedes dieser Protokolle einen anderen Einsatzzweck hat! Genau wie HTTP anscheinend nicht ideal zum Versenden und Empfangen von Emails ist, (dafür gibt es SMTP) kann Bitcoin nicht die Lösung für alle Anforderungen sein.

Man kann ja von zum Beispiel EOS halten was man will, aber sie haben bewusst quasi ihren kompletten Anspruch auf Dezentralisierung abgegeben um den Durchsatz und die Transaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen. Das macht sie unbrauchbar als Bitcoin Ersatz, aber für Gamblingzwecke scheint das ein guter Kompromiss zu sein. Erinnert sich noch jemand an den Erfolg von dem Würfelglückspiel ‘Satoshi Dice’, der jetzt nicht mehr mit Bitcoin möglich wäre? Auf EOS läuft das Pendant prächtig. Für diejenigen die sagen: “Warum lässt man das dann nicht gleich auf einer MySQL Datenbank laufen, wenn Dezentralisierung nicht so wichtig ist?” kann EOS zu Recht antworten: “Anscheinend reicht unser Grad der Dezentralisierung aus, um immun gegen das Eingreifen von Behörden gegen illegales Glückspiel zu sein.”

Genauso gut ist es möglich, dass Ethereum seinen Einsatzzweck in dezentralem Finanzdienstleistungen (DeFi) findet und IOTA für den Wertetransfer im Internet der Dinge (wieder komplett andere Anforderungen).

Keine Ahnung was davon wirklich sinnvoll sein wird, aber mein Argument ist, dass wir alternative Kryptowährungen brauchen um die verschiedenen Anforderungen an diesen neuen “Trust-Layer” für das Internet abbilden zu können.

Fortschritt durch Testen

Nehmen wir das Beispiel Skalierung, das wohl am meist genannte Problem im Zusammenhang mit Distributed Ledger Technologie. Wie schaffen wir es, diese Technologie so aufzubohren, dass sie trotz systembedingter Ineffizienz auch von der gesamten Welt genutzt werden kann? Während die einen sagen das dies schlicht nicht möglich ist, versuchen andere Kompromisse einzugehen. Wiederum andere versuchen komplett neue Wege, um einen verteilten Konsens zu erreichen. Sollen wir uns wirklich darauf verlassen, dass Bitcoins Lightning Netzwerk keine Sackgasse ist?

Was macht man, wenn es mehrere Alternativen zur Zielerreichung gibt und es nicht genug Daten um die beste Alternative zu ermitteln? Man testet! Und genau dies passiert gerade auf mit den unterschiedlichen DLT Projekten. Der Umstand, dass jeder dieser Chains mit einem eigenen Token daherkommt, mag zwar für Bitcoiner nach Konkurrenz aussehen, aber auf der anderen Seite könnte man argumentieren, dass damit die Tests für ein gemeinsames Ziel finanziert werden.

Communities fördern Innovationen

Beispiel Blocksize Debatte: Zwischen 2015 und 2017 hat die Frage darüber ob eine Verdopplung der Blocksize gut oder schlecht für Bitcoin ist, die komplette Community gelähmt. Neue Developer waren abgeschreckt von der Feindseligkeit zwischen den Lagern, langjährige Developer haben der Community den Rücken gekehrt und der Fortschritt kam gefühlt zum Erliegen. Mit der Abspaltung von Bitcoin Cash haben zumindest zwei Communities wieder ein zu Hause gefunden. Und prompt waren diese wieder produktiv. Genauso ist es auch mit hunderttausenden von Developern in anderen Bereichen. Während der eine sein Steckenpferd in Supply Chain Lösungen hat und hochmotiviert versucht Blockchains dafür zu nutzen, läuft bei anderen ein wohliger Schauer über den Rücken, wenn sie daran denken, dass sie vielleicht daran teilhaben, dass man in Zukunft per Smart Contract automatisch Solarstrom kilowattgenau an seinen Nachbarn verkaufen kann. Es bilden sich Communities mit ähnlichen Idealen und Zielsetzungen die in der Masse weit mehr an Talent an den Tisch bringen als “nur” Bitcoin Core Entwickler die am “Internet des Geldes” interessiert sind.

Verschiedene Kryptowährungen erhöhen also deutlich den Talentpool an Menschen die hochmotiviert (idealistisch und monetär) an schwierigen Problemen arbeiten.

Fazit

Sicherlich ist es richtig, dass es nicht besonders effizient ist, dass durch die vielen Kryptowährungen vieles an Arbeit doppelt und dreifach gemacht werden muss (z.B. Wallet Software). Auch ist die Frage mitunter berechtigt, warum wir 10 verschiedene Arten von Digital Cash brauchen, 5 Smart Contract Plattformen oder 3 Privacy Coins. Aber erstens müssen wir die Ressourcen dafür ja nicht aufteilen (es ist ja nicht so, dass sonst alle an Bitcoin arbeiten würden) und zweitens lassen sich die Aufwände dieser Experimente mit dem möglichen Nutzen locker rechtfertigen.

Denn, so hochtrabend wie sich das auch anhört, eines sollte uns alle einen: Der Wunsch, dass diese Technologie dafür genutzt werden kann, die Welt gerechter und transparenter zu gestalten. Egal ob das jetzt mit Bitcoin erreicht wird oder mit dem Traum eines Entwicklerteams, das gerade einen Altcoin zur Finanzierung plant.

Konkurrenz belebt sehr wohl das Geschäft, Christoph!

So long, Holger

Über Holger
Holger ist Geschäftsführer der Kryptonauten GmbH und verantwortlich für alle Inhalte auf blockchaincenter.net. Als langjähriger Anhänger der Szene glaubt er an eine Zukunft in der Blockchainprojekte & Kryptowährungen die Welt nachhaltig verändern werden. Außerdem ist er Co-Host des Krypto Podcasts: "KONSENS & NONSENS"

Beiträge aus dem Blog

72 Tipps für den Umgang mit Kryptowährungen

24. Juni 2019 // Kryptowährungen

Bitcoin Rainbow Chart

14. Mai 2019 // Daten

Die IOTA Prognose

25. März 2019 // Kryptowährungen

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2Kommentare

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Weder Bitcoin noch ein Altcoin haben die Marktreife und somit die Masse erreicht. Dies trotz dem Hype im 2017. Es mängelt an allen Ecken. Sei es bez. Skalierungsproblemen und Transaktionsgeschwindigkeiten, mühsame Anwendung oder eben auch starke und unberechenbare Volatilität und Manipulation des gesamten Marktes . Am Schluss muss man sich doch nur eine Frage stellen: Welches Coin ist gut genug um das zu schaffen? Bisher keines! Auch nicht Bitcoin! Solange das nicht geschehen ist, können wir noch lange darüber fachsimpeln was nun das beste Coin ist. Fakt ist, dass es bisher kein Coin geschafft hat und wir sehen werden ob es überhaupt eines schafft oder alles in einer riesigen Blase in ein bis zwei Jahren zu Grunde geht.

Der Christoph sieht das wohl nicht so. Wenn alle so denken würden wie er, würden wir wohl heute noch mit Pferd und Wagen anstatt mit Autos rumfahren…Ohne Konkurrenz gäbe es wohl kaum Fortschritt, was auch Bitcoin längerfristig schaden würde.

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Man muss sich an gar nichts erinnern müssen. Satoshi Dice funktioniert auch jetzt sehr gut mit Bitcoin. Bitcoin Cash.

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