Chartanalyse ist Bullshit! Oder?

Zu lang; les ich nicht:

  • Technische Analyse (oder Chartanalyse) versucht zukünftige Kursbewegungen auf Basis von Vergangenheitsdaten vorauszusagen um Kauf / Verkaufszeitpunkte beim Handel (z.B. mit Kryptowährungen) möglichst optimal zu setzen.
  • Dazu werden diverse Indikatoren zu Rate gezogen oder Linien, Dreiecke und sonstige Formen in die Kurs und Volumencharts gemalt und mit wichtig klingenden Formulierungen unterfüttert.
  • Jegliche Preisprognose aufgrund dieser und anderer technischer Indikatoren ist zu 99,9% Blödsinn und nicht mehr wert als das Tageshoroskop in der Boulevardpresse.
  • Trader die Gewinn mit solchen Strategien gemacht haben, sind das Ergebnis normaler Wahrscheinlichkeitsverteilung.
  • Auf keinen Fall lassen sich aus diesen Vergangenheitsdaten Rückschlüsse über den zukünftigen Erfolg dieser Trader ziehen.

Vorbemerkung

Die Frage ob technische Chartanalyse (TA) zur Kursprognose unter bestimmten Voraussetzungen einen kleinen Vorteil gegenüber dem puren Raten bringt, wurde schon in dutzenden Studien untersucht:

Image
https://de.wikipedia.org/wiki/Technische_Analyse

Ich mache mir keine Hoffnungen, dass ich mit diesem Artikel irgendwas beweisen kann, was vor mir diversen Studien schon nicht gelungen ist. Und ich bin mir recht sicher, dass kein Chart Trader aufgrund dieses Artikel aufhört Linien in seine Charts zu zeichnen.

Es geht mir vor allem darum, aufzuklären. Denn, obwohl keinerlei belastbare Beweise für oder gegen die Effizienz von Trading aufgrund von Chartanalyse existieren, gibt es Tausende von Trader, Youtuber, Twitter Chartkünstler und Co, aber nur sehr wenige, die diesem Blödsinn Kontra geben.

Besonders im Krypto Bereich, scheint der Irrglaube, dass man mit Chartanalyse Geld verdienen kann, besonders verbreitet zu sein.

Worum geht es bei der Chart Analyse (technische Analyse)?

Bei der technischen Chartanalyse versuchen Trader rein anhand von Kursbewegungen (Candles) und Handelsvolumen Signale und Muster zu erkennen, die Aufschluss darüber geben sollen, ob es sich um günstige Kauf- oder Verkaufszeitpunkte handelt.

Zu erkennen sind technische Analysten an folgenden Formulierungen die wahrscheinlich jeder schon mal gehört und akzeptiert hat, weil sie sich ja irgendwie professionell anhören:

“Bitcoin ist unter die 200 Tage Linie gefallen. Wenn es jetzt nicht direkt wieder hoch geht, ist die nächste Unterstützung erst bei XXX Euro”

“Es bildet sich eine klassische Cup and Handle Formation. Ein bullisches Signal für den Kurs!”

“Der Abwärtskanal wurde nach oben durchbrochen. Wenn jetzt noch das Handelsvolumen anzieht, gehts noch weiter nach oben.”

oder gerne auch mal etwas “überzeugender”:

Bislang verläuft sich der Kurs hervorragend an den Elliot-Waves zum nächsten Breakout der SKS . CME Gap wurde ebenfalls gefilled. Am 11. Januar sind wir im Fibo super an der 0.786 gebounced, so dass wir uns jetzt auf den 0.618 konzentrieren können, welcher in der nächsten Resistance und an der 200er MA bei ~9159 liegt. Allerdings muss dieses noch bestätigt werde. Zu erwartende Korrektur des Breakouts aus dem Trend-Kanal an der nächsten EW.

Untermalt (im wahrsten Sinne des Wortes) wird das ganze mit bunten Charts voller Linien und Dreiecke.

An diesem Punkt sollte man noch folgendes klar stellen, damit sich technische Analysten nicht missverstanden fühlen:

Es geht bei der technischen Analyse nicht darum den Kurs vorherzusagen, sondern nur darum, die Eintrittswahrscheinlichkeit für das Eintreffen für bestimmte Bewegungen bestmöglich einzuschätzen.

Beispiel: Wenn ein Trader aufgrund von technischer Analyse herausfinden könnte, dass die Wahrscheinlichkeit 51 Prozent ist, dass der Kurs hochgeht und 49 Prozent, dass er runtergeht, so könnte er (gesetzt den Fall, dass sich potentieller Gewinn und Verlust die Waage halten) mit der Zeit tausende solcher kleiner Wahrscheinlichkeitsvorteile ausnützen und damit Geld verdienen.

Das ist nichts anderes als könnte man bei einer gezinkten Münze die in 51 Prozent der Fälle auf Kopf landet immer auf Kopf wetten. Klar verliert man zwischendurch auch, weil Zahl kommt, aber mit der Zeit würde der positive Erwartungwert (“Edge”) dieser Wette dafür sorgen, dass man langfristig Gewinn macht.

Genau dies ist es was TA Trader (für Technical Analysis) denken zu können und warum sie Gewinn machen.

Nicht zu verwechseln ist die technische Analyse übrigens mit der Fundamentalanalyse, bei der Anlageobjekte anhand von ökonomischen / betriebswirtschaftlichen Daten analysiert werden.

In diesem Artikel möchte ich ein paar Thesen aufstellen und sie danach mit Argumenten, Beispielen und gesundem Menschenverstand untermauern.

These 1: Der Kurs hängt von Millionen von Einzelfaktoren im Markt ab, die in der Summe eine zufällige* Bewegung erzeugen.

Dieser Punkt ist wahrscheinlich am schwierigsten zu begreifen und der Hauptgrund warum Menschen denken sie können mit Chartanalyse Tradinggewinne machen. Wenn der Kurs zufällig ist, bedeutet das nämlich per Definition, dass Vergangenheitsdaten keinerlei Auswirkungen auf die Zukunft haben und Chartanalyse Humbug ist. Wenn bei einem Münzwurf 20 mal hintereinander Kopf kam, ist die Wahrscheinlichkeit, dass beim nächsten Wurf Kopf kommt immer noch 50%

*Was bedeutet “der Kurs ist zufällig”?

Das bedeutet nicht, dass es Zufall ist ob der Kurs hoch oder runter geht. Sondern, dass die Informationen, die zu der Bewegung führen, zufällig eintreffen: Erna Huber beschließt Bitcoin zu kaufen, ein alteingesessener Bitcoiner verkauft weil er Geld braucht, ein Trader meint ein Muster zu erkennen und handelt, ein High Frequency Trading Bot führt ein Order aus, Iran verbietet Bitcoin, ein Miner muss seine Stromrechnung begleichen und verkauft, …. Millionen unvorhersehbare Einzelentscheidungen führen dazu, in welche Richtung sich der Kurs als nächstes bewegt.

Der zweite Punkt den man hierzu verstehen muss ist der Zusammenhang zwischen Wahrscheinlichkeit und Erwartungswert. Denn natürlich ist es manchmal wahrscheinlicher dass der Kurs in eine bestimmte Richtung geht als die andere. Diese Tatsache allein reicht aber nicht, damit man sich einen Vorteil verschaffen kann!

Beispiel: Angenommen es gibt ein Würfelspiel bei dem man 1 Euro pro Wurf gewinnt. Würfelt man aber eine 6, dann muss man 5 Euro bezahlen. Die Wahrscheinlichkeit zu jedem Zeitpunkt, dass der Gewinnchart hochgeht ist viel höher, als dass er runtergeht. Dennoch gibt es keine Möglichkeit bei diesem Spiel langfristig Gewinn zu machen, denn der Erwartungwert ist Null (5 x 1 + 1 x (-5)) / 6 = 0

These 2: Weil der Kursverlauf zufällig entsteht, gibt es keine Möglichkeit den Markt konsistent zu schlagen

Wenn ich sage, “TA Trader machen keinen langfristigen Gewinn” meine ich damit nicht, dass sie am Ende des Jahres mit mehr Geld (zum Beispiel Euro) dastehen als am Anfang. Sondern, dass sie mehr verdienen müssen als der Markt. Und das über einen Zeitraum der lang genug ist, so dass Zufall oder Glück keine Rolle mehr spielen.

Beispiel 1:
Ein Trader der deutsche Aktien handelt und damit in 2019 aus 10.000 Euro zum Beispiel 12.000 Euro gemacht hat ist kein Gewinner. Denn der DAX ist in der gleichen Zeit >25% gestiegen.

Beispiel 2:
Ein Trader der nur mit Bitcoin handelt, darf seinen Erfolg nicht in Euro messen. Er ist nur ein Gewinner wenn er am Ende des Jahres mehr BTC sein eigen nennt als am Anfang.

Natürlich gibt es Trader die auch nach diesen Kriterien Gewinner sind. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Personen den Markt geschlagen haben. Erst wenn ein Trader über mehrere Jahre oder tausende von Transaktionen beweisen kann, dass er bessere Entscheidungen trifft als der Markt, wäre meine Hypothese widerlegt. Solche Beweise gibt es aber schlicht nicht.

Im Gegenteil: wie verbreitet dieser Fehler bei der Bestimmung von Gewinnern ist, sieht man daran, dass über einen Zeitraum von 10 Jahren weltweit 99 (!) Prozent der aktiven gemanagten Aktienfonds (nach Abzug der Gebühren) schlechter performt haben, als der zugrunde liegende Vergleichsindex. Nach einem Jahr hätte man noch denken können, das 46 Prozent der Fonds Gewinner sind.

https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/fonds-etf/ratgeber-etf-teil-5-der-grossteil-der-fondsmanager-scheitert-am-index/

Es ist also verdammt hart den Markt konsistent zu schlagen. Beispielsweise gab es im Krypto Bull Run in 2017 quasi nur scheinbare Gewinner, denn jeder der Kryptowährungen gekauft hat, konnte massive Buchgewinne (in Euro!) einfahren. Die entscheidende Frage ist aber, hat er mehr Gewinn gemacht, als ein Affe der mit Dartpfeilen auf die Top 100 auf Coinmarketcap geworfen hat? Und kann er das jedes Jahr wiederholen?

These 3: Alle Chart Trader die in der Verangenheit Gewinne eingefahren haben, sind das Ergebnis normaler Wahrscheinlichkeitsverteilung

Das sind meine Lieblingsargumente:

“Ich kenne einen, der macht das schon seit Jahren erfolgreich”
oder
“Es gibt tausende von Trader die davon leben können”.

Warum sind das keine validen Argumente? Aus den folgenden drei Gründen die entweder allein oder in Kombination gültig sind:

1. Ob ein Trader Gewinn gemacht hat oder den Markt geschlagen hat, sind zwei unterschiedliche paar Schuhe (siehe obige Beispiele). Dies festzustellen ist je nach Markt nicht so einfach und wird oft nicht berücksichtigt.

2. Dass es auch in zufälligen Spielen ohne Vorteil für den Spieler große Gewinner gibt, ist eine statistische Notwendigkeit und ergibt sich aus der Wahrscheinlichkeitsverteilung. Für einen Münzwurf ist das beispielsweise die Binominalverteilung.

Beispiel: Angenommen 1 Million Trader wetten 100 mal in einem Jahr den gleichen Betrag auf einen Münzwurf. Wenn Kopf kommt gewinnen sie einen Einsatz, bei Zahl verlieren sie ihn. Ein völlig faires Spiel das nur vom Zufall abhängt.

Gemäß Binominalverteilung gibt es nach einem Jahr ca. 460.000 Trader die im Plus sind. Ungefähr 308.000 haben mehr als 5% “Rendite erwirtschaftet”.
Nach 5 Jahren gibt es ca. 20.000 Trader die jedes Jahr im Plus abgeschlossen haben. Und ca. 2.700 Trader die jedes Jahr mehr als 5% im Plus waren.

Ich bin mir sicher, dass ein großer Teil dieser 2.700 Trader, auf Youtube oder in Schulungen ihre offensichtlich überlegende Münzwurfstrategie vermitteln würden….

3. Die Stichprobe ist zu gering. Ich habe schon von angeblichen Chartanalysten gehört, die pro Jahr nur ein Dutzend Trades machen (wenn die Charts besonders eindeutig ist). Selbst ein paar hundert Trades pro Jahr sind viel zu wenig um das Ergebnis als statistisch relevant anzusehen.

Das ist quasi das gleiche, als würde ich einmal im Monat ins Casino gehen und beim Roulette für ein Spiel auf alle Zahlen außer zwei zu legen. Mit großer Wahrscheinlichkeit gehe ich jeden Monat mit einem Stück Gewinn aus dem Casino.

Weitere Argumente gegen das Trading aufgrund von Chartanalyse

Der maximal mögliche Vorteil ist zu gering

Angenommen der DAX (also der Markt) wächst in einem Jahr um 10 Prozent. Wenn ein Trader einen Edge gegenüber dem Markt von 5% hat (was viel ist laut den wenigen Studien die überhaupt eine Wirksamkeit festgestellt haben), bedeutet das, ein Trader mit einem Kapital von 100.000 Euro 10.000 Euro aufgrund der DAX-Gewinne verdient hat und 500 Euro aufgrund seiner Trading Skills. Das heißt um vom Trading leben zu können, müsste er mindestens 100 mal so viel Kapital haben um aus 10 Mio Euro, 50.000 Euro durch seinen Edge zu verdienen.

Tatsächlich erfolgreiche Chart Trader geben keine Schulungen

Die wenigen Chart Trader die es eventuell gibt, die tatsächlich statistisch relevant erfolgreich sind (kann ich nicht ausschließen), würden all Ihre Energie darauf einsetzen, diese Gelddruckmaschine selbst zu verwenden. In dem Moment in dem man das Wissen anderen Tradern weitergibt und sie das auch einsetzen können ist der Vorteil dahin. Daher eine weitere kontroverse Aussage:

Jeder der auf Twitter Charts postet, einen TA Trading Youtube Channel hat, Mentoring Stunden oder Bücher verkauft:

– Weiß es entweder selber nicht besser.
– Belügt sich bewusst oder unbewusst selber.
– Oder profitiert bewusst davon, dass es andere nicht wissen.

Ein Vorteil durch technische Analyse widerspricht der Markteffizienzhypothese

Zugegebenermaßen ein eher schwaches Argument. Die Markteffizienzhypothese (EMH) besagt, dass der Kurs bereits sämtliche Informationen enthält, die in diesem Markt verfügbar sind. Also auch die Informationen, die einem TA Trader einen Vorteil verschaffen könnte. Ich bin der Meinung das die Märkte nicht so effizient sind, so dass es bestimmt kleine Informationsvorsprünge gibt. Die EMH unterstützt übrigens auch die “Random-Walk-Hypothese” die besagt das Kurse zufällig entstehen.

Jeden Vorteil den Menschen aus Charts erkennen könnten, könnten Computer millionenfach besser erkennen und ausnützen.

Computer können in Bruchteilen von Sekunden Millionen von Charts auswerten, Indikatoren ausrechnen und Muster erkennen. Und noch besser: Sie können mögliche von TA Tradern erkannte Muster klassifizieren und für Vergangenheitsdaten überprüfen ob sie zum Erfolg geführt hätten (“Backtesting“). Es gibt keinen Grund warum ein Mensch so etwas besser können sollte, denn gemäß Definition der technischen Analyse spielen Fundamentaldaten (was passiert im Umfeld des getradeten Assets) keine Rolle zur Kursvorhersage.

Einem Computer liegen also die gleichen Informationen vor wie einem Mensch, er kann Sie besser verarbeiten, ist disziplinierter und ist keinen emotionalen Trugschlüssen und Fehleinschätzungen unterlegen. Aber ein “professioneller Trader” soll einen Vorteil demgegenüber haben???

Und in der Tat: Computerprogramme (Trading Bots) werden großflächig eingesetzt um anhand von Chartsignalen automatisiert zu traden. Das ist ein hochkomplexes Thema bei dem aber auch selbst die Besten Modelle nicht wirklich beweisen können, dass sie dauerhaft den Markt schlagen. Denn wenn sie das könnten, wären sie Gelddruckmaschinen.

Tradinggebühren fressen Gewinne auf

Trader die extrem viel handeln (mehrere Millionen pro Monat) zahlen oft sehr wenig und manchmal sogar keine Tradinggebühren. Für alle anderen gelten die normalen Gebühren der Börsen. Pro Trade ist das im Promille Bereich, aber bei tausenden von Trades pro Jahr die notwendig sind um überhaupt eine statistisch valide Aussage machen zu können summiert sich das schnell. Börsen sind die einzigen die an Chart Tradern verdienen…

Das einzige Argument für die Chartanalyse

Gäbe es Indikatoren die so eindeutig sind, dass der gesamte Markt sie gleich sieht, könnte das dazu führen, dass sie zur self-fullfilling prophecy werden. Das bekannte Stock to Flow Modell von Bitcoin (oder unser Rainbow Chart) sind Beispiele dafür. In der Regel sind aber quasi alle Chart Analysen sehr subjektiv, da es unendlich Zeiträume und zu analysierende Intervalle gibt und je nach Betrachtungsweise unterschiedliche Schlüsse gezogen werden.

Weitere Gegenargumente und meine Antwort darauf:

“Aber Trading ist doch ein Nullsummenspiel, wenn es schlechte Trader gibt, muss es auch gute Trader geben die davon profitieren”

Schlechte Trader gibt es, ohne Frage. Allerdings liegt das nicht an schlechten Kauf und Verkaufszeitpunkten. Sondern an einigen typischen Investitionsfehlern die selbst beim oben genannten fairen Münzwurfspiel zu Verlusten führen würde, allen voran zu hohe Wetteinsätze:
Wenn ich 1.000 Euro zur Verfügung habe und beim Münzwurfspiel mit 100 Euro pro Münzwurf spiele, ist die Wahrscheinlichkeit quasi 100%, dass ich mit der Zeit alles verliere! Das gleiche trifft auch beim Traden zu. Grund dafür ist die statistische Varianz.

Hinzukommen eine Reihe von emotionalen Investitionsfehlern (Sunk Cost Fallacy, Verlustaversion, Emotional bias…)

“Wie kannst du gegen technische Analyse argumentieren, wenn Du offensichtlich keine Ahnung davon hast?”

Stimmt. Ich habe keine Ahnung von den “Werkzeugen” der technischer Analyse. Ebenso wenig kenn ich mich mit Astrologie oder und dem Legen von Tarotkarten aus und doch kann ich mir ein Urteil darüber bilden. Es spielt keine Rolle, dass ich keine Ahnung von TA habe. Meine Thesen basieren darauf, dass der Kursverlauf aus zufällig eintreffenden Ereignissen entsteht. Diese These kann nicht widerlegt werden. Sehr viele Studien haben das gezeigt. (Zugegebenermaßen kann sie auch nicht eindeutig bewiesen werden.) Bei Glückspielen kann es aber per Definition keine Strategie / Taktik geben, die einen langfristigen Vorteil verschafft.

“Was ist mit Copy Trading? Ganze Industrien bauen darauf”

Beim Copy Trading auf eToro kann man sich Trader aussuchen, die über die letzten Jahre konstante Gewinne eingefahren haben und deren Handelsstrategie 1:1 kopieren. “Ist das alles eine Lüge”?

erfolgreicher Trader auf eToro den man kopieren kann


Prinzipiell finde ich Copy Trading durchaus positiv, weil unerfahrende Investoren vor Fehlern bewahrt werden, die erfahrende Trader nicht machen. Das Problem ist aber, dass Neulingen dadurch auch suggeriert wird, dass vergangene gute Performance auch einen zukünftigen Erfolg wahrscheinlich macht. Dies ist definitiv nicht der Fall. Etwas wovon sich übrigens eToro in seinen AGBs auch explizit distanziert:

to be continued…

Fazit

Es gibt schlicht keine eindeutigen Beweise dafür, dass Trading aufgrund von technischer Analyse einen Vorteil gegenüber dem Markt erreichen kann.

Alle hier getroffenen Aussagen bauen auf der Grundhypothese auf, dass der Kurschart einem Muster folgt, dass auf zufälligen Ereignissen basiert (Random Walk Hypothese).

Gemäß dieser Logik ist Chartanalyse im Besten Fall das Ergebnis von Unwissenheit oder dem falschen Verständnis für statistische Zusammenhänge. Im schlimmsten Fall ist es Abzocke. Denn mit Schulungen, Mentoring und dem Verkauf von Newslettern und Büchern verdienen Chart Analysten (im Gegensatz zum Trading) tatsächlich Geld!
Schlau klingende Formulierungen und kompliziert wirkende Linien, Muster und Indikatoren in Charts haben dazu geführt, dass viele Menschen diese Art von Analysen für legitim halten und nicht hinterfragen.

Ich hoffe, dass wir mit diesem Artikel zumindest etwas helfen können, das Verhältnis zwischen Befürwortern und Kritikern in ein Maß zu setzen, dass dem wissenschaftlichen Konsens diesbezüglich entspricht.

In diesem Sinne:

Technische Chartanalyse zur Preisprognose ist Bullshit!

PS

Ich habe kein Interesse mit dem Artikel irgendjemanden in die Pfanne zu hauen. Ich freu mich über neue Argumente, besonders wenn sie für die Chart Analyse sprechen und meine Meinung in Frage stellen (Kommentare). In Kürze werden wir auch einen KONSENS & NONSENS Podcast zu diesem Thema aufnehmen. Wer dort gegen mich diskutieren möchte tickert mich am Besten auf Telegram oder Twitter an.

Über Holger
Holger ist Geschäftsführer der Kryptonauten GmbH und verantwortlich für alle Inhalte auf blockchaincenter.net. Als langjähriger Anhänger der Szene glaubt er an eine Zukunft in der Blockchainprojekte & Kryptowährungen die Welt nachhaltig verändern werden. Außerdem ist er Co-Host des Krypto Podcasts: "KONSENS & NONSENS"

Beiträge aus dem Blog

7 Kommentare zu Chartanalyse ist Bullshit! Oder?

  1. Totally Agree. Ich habe selbst ne Zeitlang Trading Bots benutzt. Ich habe mit Tradern, die sich für die Größten halten, zusammengearbeitet. Sie haben Strategien entwickelt, die mittels Backtesting die letzten 5-6 Jahre im Kryptomarkt permanent einen Gewinn (in BTC) abgeworfen haben. Dann kam 2018 und das war es dann. Es ist, wie du schon sagst und andeutest, letztendendlich nur Glückssache. Wenn man mal eine langanhaltende Pechsträhne (Markt von 2018) wird klar, dass es nur Glück war. Es ist wie bei dem Würfeln, bei dem man bezahlt, wenn eine 6 kommt. Das geht 5 Würfe (Jahre) lang gut und dann kommt ne 6 (Jahr 2018) und man ist wieder auf 0.

  2. Ich finde Du hast absolut recht mit dem Artikel, werden aber viele nicht verstehen (wollen).

    Erfolgreiche Trader teilen Ihre Erfolgsrezepte nicht, sondern nutzen diese solange es noch geht. Wer Schulungen gibt, YouTube macht usw. macht dies eben um Geld zu verdienen und Trading ist hier das Produkt – d.h. diese Leute verdienen das Geld nicht direkt über das Trading, sondern indirekt mit dem Vehikel „Trading“.

    Die Frage die sich auch „erfolgreiche“ Trader stellen müssen: Schlage ich damit den Markt/Benchmark? Wenn ich 100% pro Jahr (in Euro gemessen) mit dem Trading von Bitcoin mache klingt das gut, wenn ich dasselbe aber mit dem HODL von Bitcoin auch schaffe, wozu sollte ich traden?

    Und es geht eigentlich noch einen Schritt weiter: Man muss auch die Opportunitätskosten berücksichtigen. Wenn ich trade benötige ich ja einiges an Zeit und selbst wenn ich den Markt konstant und jährlich um 10% schlage, stellt sich die Frage ob die gesamte Zeit die ich für diese 10% Outperformance benötigt habe nicht besser anderswo investiert gewesen wäre und ich mit der anders genutzten Zeit (wesentlich) mehr erwirtschaften könnte. Einfacher gesagt: Wenn ich statt 10 BTC am Ende des Jahres 11 BTC durch erfolgreiches Trading habe ist das super, aber es gehört eben auch die Zeit berücksichtigt. In der Zeit hätte ich irgendwas anderes machen und dann den 1 BTC auch einfach kaufen können…

  3. Muss man denn etwas “richtig” oder “falsch” prognostizieren um langfristig Geld an den Märkten zu verdienen? Technische Analyse ist ein Hilfsmittel und sollte nur als Solches verstanden werden. Muss man einen Markt “schlagen” “out-performen” um Geld zu verdienen? Man muss keine 90,80,70,60,50% seiner Entscheidungen richtig treffen ob ein Kurs nun steigen oder fallen wird, auch mit < 40% kann man langfristig profitabel sein.

    • Wenn ich den Markt nicht schlage, kann ich einfach in einfach in einen ETF / Indexfonds investieren, habe keine Arbeit und erziele höhere Rendite. Warum also traden?

      • Das kommt drauf an was man als unter höhere Rendite versteht?

        • Siehe Beispiel aus dem Text:
          Trader Tommy fängt mit 100.000 Euro an deutsche Aktien zu traden und hat am Ende des Jahres 110.000 Euro. 10% Rendite. Super oder? Nein! Kann man nicht sagen, weil wenn in der gleichen Zeit der DAX um 15% gestiegen ist, hat er Verlust gemacht, obwohl er mit mehr Geld als am ANfang des Jahres dasteht. Hinzukommt die Zeit die er verwendet hat.

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