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Darlehen für ETH – Meine Erfahrung mit Maker DAO

Die realen Einsatzzwecke mit Mehrwert für die hochgelobte “Blockchain Technologie” sind aktuell noch sehr überschaubar. Da ich aber fest davon überzeugt bin, dass Smart Contracts und Transaktionshistorien ohne zentrale Kontrollinstanz (sprich Blockchains) so manche Industrie transparenter, gerechter und effektiver machen, freue ich mich wenn es hier Projekte gibt die echte Fortschritte machen. Die steigende Nutzung von Maker DAO deutet darauf hin, dass dies eines dieser Projekte sein könnte.

Was bringt Maker DAO?

Maker DAO ist eine Reihe von Ethereum Smart Contracts mit folgendem Produktversprechen:

Wenn du Cash brauchst, leihe Dir Geld und hinterlege als Sicherung dafür nicht liquide Eigentümer.

Aktuell kann man nur Ether (ETH) als Sicherung hinterlegen, aber mit der Zeit sollen sich alle tokenisierbare Besitztümer dafür eignen. im Februar 2019 waren im Maker DAO Smart Contract mehr als 1% aller im Umlauf befindlichen ETH als Sicherung hinterlegt!

Beispiel:
Angenommen ich besitze 100 ETH, möchte die auch nicht verkaufen, habe aber einen finanziellen Engpass und brauche Euro. Dann kann ich diese 100 ETH in den Maker DAO Smart Contract senden und bekomme dafür DAI (der Maker Stablecoin), den ich direkt in Euro umwechseln kann. So lange ich irgendwann (!) meine Schulden zinslos (!) zurückzahle und während der Zeit genug ETH als Sicherung hinterlegt sind, bekomme ich alle meine ETH wieder zurück, das heißt ich verzichte nicht auf mögliche Kursgewinne durch den Preisanstieg von ETH. Das heißt auch, theoretisch kann ich meine Schulden jederzeit mit möglichen Kursgewinnen von ETH bezahlen.

Diese Art von gesicherter Kredit (englisch: “collateral loan”) ist zweifelsfrei ein revolutionäre Anwendungsfall von Smart Contracts, der bislang schlicht nicht möglich war. In der (zugegebenermaßen weiten) Zukunft könnten tokenisierte Immobilen, Aktien oder sogar zukünftige Ernteerträge oder Ansprüche aus Rechnungen als Sicherung hinterlegt werden. Quasi ein Pfandleihhaus 2.0, nur ohne dass jemand über den Tisch gezogen wird.

Über Smart Contracts Geld leihen – mein Selbstversuch

Ziel dieses Test ist es an Euro zu kommen ohne ETH zu verkaufen, und nach einer Woche diese Euro zurückzuzahlen und alle ETH wieder aus dem Smart Contract zu ziehen

Schritt 1: Ether auf MetaMask Wallet

Der beste Ausgangspunkt für alle Interaktionen mit dApps / Smart Contracts ist die Browser Extension MetaMask. Da ich schon des öfteren dApps ausprobiert habe sind auf meinem MetaMask Wallet noch ETH vorhanden. Daher lasse ich die hierfür notwendigen Schritte weg.

Schritt 2: Das Maker DAO Dashboard / DAI Explorer

Alle benötigten Aktionen um meinen Test durchzuführen sollen über diese Oberfläche stattfinden: https://dai.makerdao.com/ Nach der obligatorischen MetaMask Verbindung, bin ich erstmal überfordert.
Ich sehe den Kontostand von vier verschieden Tokens. WETH, PETH, MKR und DAI, eine Reihe von Schiebereglern mit denen “Allowances” eingestellt werden können, die mir erstmal nichts sagen und jede Menge Fachjargon, mit dem ich auch erstmal überhaupt nichts anfangen kann.

Schritt 3: ETH in WETH umwandeln

Von anderen dApps und Exchanges, weiss ich, dass man ETH nicht gegen andere Etherum Token direkt umtauschen kann, sondern zunächst “Wrapped Ether” WETH benötigt, so dass ETH im ERC-20 Standard vorliegt.

Mittels dem “Wrap Ether” Formular wandel ich 2 ETH in WETH um. ETH Gebühr: ca. 4 Cent. Transaktion in MetaMask bestätigen, fertig. Wenige Sekunden später zeigt mein WETH Kontostand 2 WETH. Soweit so gut und nun?

Schritt 4: WETH in PETH umwandeln?!

Wenn Schritt 3 für Ethereum Heavy User wahrscheinlich noch nachvollziehbar ist, kommt nun der erste WTF? Moment. Die soeben getauschten WETH bringen mir erstmal gar nichts, denn als Sicherung für mein zukünftiges Darlehen wird PETH (Pooled Ether) benötigt. PETH ist die Reserve des Maker DAO für alle ausgegebenen Darlehen. Also gut, ich klicke den ‘Convert WETH to PETH’ Button wähle das Maximum und…. bestätige erstmal weitere Transaktionsgebühren. Gefühlt bei jedem Klick in der Oberfläche öffnet sich das MetaMask Fenster und ich zahle. Immer nur Cent Beträge, aber im Moment ist auch nicht viel los auf der Ethereum Blockchain.

Schritt 5: CDP eröffnen

Mit den soeben erworbenen PETH kann ich nun endlich den DAI Stablecoin ziehen? Nein, zunächst muss ich eine ‘CDP’ eröffnen, eine “collateralized dept position”, sprich ich muss die PETH erstmal als Sicherung hinterlegen in den Smart Contract. Natürlich wieder verbunden mit Transaktionskosten.

Schritt 6: DAI “ziehen”

Jetzt wird’s interessant. Für die eben hinterlegte Sicherung kann ich nun DAI ziehen (“draw”). Wieviel? Gute Frage, denn dass hängt davon ab, wie viel Risiko man eingehen will. Wenn ich z.B. Ether im Wert von 200 Dollar als Sicherung hinterlege und nur 1 Dollar als DAI ziehe, habe ich quasi kein Risiko meine Sicherung zu verlieren. Wenn ich aber zu viel ziehe, kann es sein, dass der Smart Contract meine ETH verkauft um sicherzugehen, dass der Smart Contract die geliehene Summe auch decken kann.

In meinem Fall kann ich mit meinen knapp 2 ETH die noch übrig sind maximal 160 DAI ziehen. Ich entscheide mich relativ willkürlich für 120 DAI. Bei einem Ethereum Kurs von $ 120 ist das gerade mal die Hälfte dessen was ich als Sicherung hinterlegt habe. Aber ist ja egal, denn wenn ich das Geld wieder zurückzahle, bekomme ich ja meine 2 ETH wieder (abzüglich Transaktionskosten).

Maker DAO zeigt mir an, dass meine 2 ETH liquidiert werden würden, falls der Ethereum Kurs auf unter $ 90 fällt. Abzüglich meines DAI Darlehens und einer 13%igen Liquidationsstrafe würde dann nicht mehr viel von meinen 2 ETH übrig bleiben. Die Liquidation sollte man also tunlichst vermeiden. Und das kann man, in dem man einfach mehr ETH in die CDP nachschießt, sobald man Gefahr läuft liquidiert zu werden.

Und dies ist auch der Grund warum Maker DAO in 2018 so erfolgreich war!!!

Exkurs: Anfang 2018 haben sich wohl viele ETH Besitzer gedacht sie wollen einen Teil ihrer ETH in Dollar umtauschen ohne sie zu verkaufen. Aufgrund des fallenden ETH Kurs im kompletten Jahr 2018 waren viele Positionen ständig nahe an der Liquidation. Daher wurden anscheinend immer mehr ETH nachgeschossen, bis heute inzwischen mehr als 1% der sich im Umlauf befindlichen ETH im Maker DAO Smart Contract gebunden sind.

DAI – der Maker DAO Stablecoin

So, nun zeigt mein Kontostand tatsächlich 120 DAI, also ziemlich genau 120 Dollar. Diese DAI könnte ich nun zu einer Börse schicken und dort gegen Euro tauschen (was übrigens aktuell auch noch nicht so einfach ist, denn keine der großen Börsen bietet aktuell DAI an). Da ich für den Test ja nicht wirklich daran interessiert bin Cash zu bekommen, lasse ich die DAI bei Maker DAO bis ich meine ETH Sicherung in einer Woche hoffentlich wieder auslösen kann.

Eine Woche später: Auflösen der Schulden

Während der Testwoche gab es keine sonderlich großen Preisschwankungen und so lief meine “CDP” nie Gefahr liquidiert zu werden. Im Gegenteil, aufgrund von leicht steigenden Kursen hätte ich sogar noch einen Teil der hinterlegten ETH wieder befreien (“free”) können ohne das Risiko zu erhöhen.

Damit ich meine ETH wiederbekomme, muss ich zunächst die CDP schließen in dem ich meine DAI stattdessen wieder hergebe. Diese Aktion nennt sich “wipe”. Als ich auf den entsprechenden Button klicke kommt eine Fehlermeldung, die mir sagt, dass ich nicht genügend MKR Token für diese Aktion habe?! Und damit sind wir bei dem vierten beteiligten Token. Nach etwas Recherche erfahre ich, dass man mit dem MKR Token eine “Governance Fee” beim Schließen einer CDP bezahlen muss. Während die anderen Transaktionsgebühren alle für die Ethereum Miner draufgeht, ist dies nun eine Gebühr die Maker DAO zu Gute kommt. Wieviele MKR Token ich brauche, erfahre ich nirgends.

Da man auch den MKR Token auf keiner der großen Börsen kaufen kann, entscheide ich mich dafür ETH in MKR Token auf Kyber https://kyberswap.com/swap/ zu tauschen. 5 Euro sollten reichen denke ich mir. Übrigens: die Kyber Erfahrung für diesen Prozess ist ziemlich cool und nutzerfreundlich.

Nach diesem Umweg erscheint nun auch ein MKR Kontostand im Maker DAO Dashboard und ich kann, den CDP auflösen und meine PETH wieder rausziehen. Danach wieder in WETH umtauschen und die gegen ETH “unwrappen”….

Fazit:

Erkenntnis Nummer 1: der ganze Prozess ist zwar einigermaßen nachvollziehbar wenn man sich damit beschäftigt, aber aus Sicht der Nutzererfahrung unfassbar umständlich und definitiv eine Herausforderung. Insbesondere die 4 verschiedenen Token und die gesamte Begriffswelt ist sehr verwirrend.

Erkenntnis Nummer 2: Maker DAO macht Ethereums Skalierungsproblem überdeutlich. Für die ganze Aktion waren 18 (!) Ethereum Transaktionen notwendig. Insgesamt habe ich ca. 5 Euro an Transaktionsgebühren gezahlt. Das ist nicht viel, wenn man tausende von Euro als Darlehen dafür bekommt, aber sobald das Ethereum Netzwerk wieder etwas mehr ausgelastet ist, werden diese Gebühren so hoch sein, dass sie wohl richtig wehtun.

Erkenntnis Nummer 3: Die Erfahrung ein Darlehen aufzunehmen, ohne Schufa Auskunft, ohne Interaktion mit Banken, zu meinen eigenen Bedingungen, ohne dass sich jemand daran bereichert ist magisch! Dafür bin ich gerne bereit, ein paar “Early Adopter” Hürden zu nehmen.

Maker DAO hat aktuell ganz klar eine sehr spezifische Zielgruppe: Besitzer von ETH die sich mit der Materie auskennen. Es wird noch viele Jahre dauern, bis der ganze Prozess so nutzerfreundlich ist, dass sich Otto Normalverbraucher daran traut. Gut möglich, dass das dann auch in einer zentralisierteren Form der Fall sein wird. Zum Beispiel könnte ein Anbieter die gesamten technischen Prozesse im Hintergrund übernehmen und über eine nutzerfreundiche App die Abwicklung mit den Kunden so einfach wie möglich gestalten.

Maker DAO ist eine absolute Killer App

Als das Internet in seinen Anfängen viele neue Unternehmen hervor brachte, gab es jede Menge Unternehmen, die bestehende Geschäftsmodelle einfach in diese neue Welt übertragen haben (z.B: Amazon: Bücher kaufen, aber online). Doch die spannendsten Unternehmen waren die, die etwas geschaffen haben, was vorher schlicht nicht möglich war oder durch das Internet erst ermöglicht wurden. (Google, Facebook & Co).

Ähnlich verhält es sich auch mit Maker DAO. Wenn Ethereum seine Skalierungsprobleme in den Griff bekommt und Maker DAO auch noch andere Werte als Sicherung zulässt, sind die Maker DAO Darlehen für mich eine absolute Killer App. Niemand würde aktuell auf die Idee kommen, seine Eigentumswohnung zu pfänden, weil leider gleichzeitig die Waschmaschine und das Auto kaputt gegangen sind und man vorübergehend 3.000 Euro braucht. In der Zukunft wird das aber möglich und vor allem deutlich attraktiver als ein Kredit bei einer Bank sein.

Und auch jetzt schon bietet Maker DAO zumindenst für manche Besitzer von ETH einen echten Nutzen.

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